• vom 07.12.2011, 00:00 Uhr

Museum

Update: 12.03.2018, 04:40 Uhr

Museumsstücke

Innsbrucker Töne vom Zauberturm




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Von Johann Werfring

  • Die einzige Glockengießerei Österreichs bietet im hauseigenen Museum ein überaus spannendes handwerks- und kulturhistorisches Programm.

Glockenguss in der Firma Grassmayr für ein rumänisches Glockenspiel.

Glockenguss in der Firma Grassmayr für ein rumänisches Glockenspiel.© Foto: Johann Werfring Glockenguss in der Firma Grassmayr für ein rumänisches Glockenspiel.© Foto: Johann Werfring

Weil das Museum der Innsbrucker Glockengießerei Grassmayr direkt an den Betrieb angeschlossen ist, können die Besucher über die historischen Bezüge hinaus auch gleich direkte Einblicke in das handwerkliche Geschehen gewinnen. Bei der hier abgebildeten Szene aus dem Arbeitsalltag der Innsbrucker Glockengießer entstehen gerade Glocken für ein rumänisches Glockenspiel. Werden in diesem Fall bloß 90 Kilogramm Metall in die Form gegossen, so fließen beim Guss von großen Glocken mitunter bis zu 9000 Kilogramm flüssiges Metall aus dem Ofen heraus, ist bei der Führung zu erfahren.

Information

Glockenmuseum Grassmayr
Glockengießerei Grassmayr
6020 Innsbruck, Leopoldstraße 53
Mo bis Fr 10–16 Uhr
Tel. 0512/59416/34

Ab dem Jahr 1963 stand Christof Grassmayr dem Betrieb vor, ehe er 2001 die Geschicke des Unternehmens in die Hände seiner Söhne legte. Heute leitet der Senior das Glockenmuseum. Der vom österreichischen Bundespräsidenten und vom Papst geehrte Glockengussexperte, der seit 2000 Honorarkonsul der Republik Südafrika ist, hat in seinem neuen Job als Museumsleiter eine zweite "Berufung" gefunden: Dessen bei den Führungen an den Tag gelegtes Engagement, gepfeffert mit Wort- und Geisteswitz, ist bemerkenswert.

Das Museums-Glockenspiel befindet sich derzeit am Salzburger Christkindlmarkt.

Das Museums-Glockenspiel befindet sich derzeit am Salzburger Christkindlmarkt.© Foto: Johann Werfring Das Museums-Glockenspiel befindet sich derzeit am Salzburger Christkindlmarkt.© Foto: Johann Werfring

Rumänische Enthusiasten

In Holland und Belgien sei die Begeisterung für Glockenspiele traditionell groß, weiß Christof Grassmayr zu berichten. Auch die Rumänen lieben solcherart erzeugte Musik. In Österreich und Südtirol sei das Glockenspiel wieder stark im Vormarsch. Unlängst lieferte Grassmayr eines nach Bozen, weitere Glockenspiele befinden sich in Linz im Bereich des Hauptplatzes, im Steiner Turm in Krems an der Donau und in Langenlois. In den Betriebsräumen der Firma Grassmayr ist üblicherweise ein – wegen seiner zauberhaften Töne als "Zauberturm" bezeichnetes – Glockenspiel aufgestellt, welches Kaufinteressenten und Besuchern des Glockenmuseums vorgeführt wird; derzeit bereichert es die Atmosphäre des Salzburger Christkindlmarktes.

Mozart und das Glockenspiel

Glockenspiele habe es bereits vor Jahrhunderten in verschiedenen Ländern Europas – insbesondere in den Niederlanden – gegeben, so Grassmayr. In Österreich befindet sich eines der bekanntesten historischen Glockenspiele in der Stadt Salzburg. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts ließ dort der Erzbischof Johann Ernst Graf Thun den unter dem Erzbischof Wolf Dietrich von Raithenau (1578 bis 1612) errichteten Turm an der Westseite des "Palazzo nuovo" (heute Neue Residenz) erhöhen, um darin ein mit Antwerpener Glocken bestücktes Glockenspiel unterbringen zu können. Mozart habe festgestellt, "dass dieses Glockenspiel tonlich nicht stimmt", sagt Grassmayr.

Erst kürzlich wurde es aufwendig restauriert. Zu dessen Wiedereröffnung am 28. Jänner 2011 ertönte das Salzburger Glockenspiel mit der Melodie von "Das klinget so herrlich / Das klinget so schön!" aus der "Zauberflöte" von Wolfgang Amadeus Mozart.

Artikel erschienen am 7. Dezember 2011
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2011-12-02 12:17:16
Letzte Änderung am 2018-03-12 04:40:42


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