• vom 22.12.2011, 07:30 Uhr

Museum

Update: 08.06.2014, 18:21 Uhr

Museumsstücke

Der Weihnachtsmann als possierlicher Pariser




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Von Johann Werfring

  • Vor rund drei Jahren eröffnete in Wien-Mariahilf ein eigenes Kondommuseum, wo augenzwinkernd der Geschichte der Verhütung nachgespürt wird.

Scherzkondome sind im Condomi-Museum in großer Vielfalt zu bestaunen.

Scherzkondome sind im Condomi-Museum in großer Vielfalt zu bestaunen.© Foto: Johann Werfring Scherzkondome sind im Condomi-Museum in großer Vielfalt zu bestaunen.© Foto: Johann Werfring

Wenn im Deutschen von "Pariser" die Rede ist, denkt wohl kaum jemand vorrangig an die Bewohner von Paris. Kulinarisch fixierte Landsleute werden sogleich an eine fein faschierte Fleischwurst, deren Konsistenz jener der Knackwurst nicht unähnlich ist, erinnert, wohingegen Freunde der erotischen Kultur den Begriff vorrangig mit dem Kondom assoziieren. Angeblich leitet sich die Bezeichnung von dem Wort "Präservativ" her, dessen Kurzform "Präser" zu "Pariser" verballhornt wurde.

Information

Condomi-Museum
1060 Wien, Esterházygasse 26
Mo bis Fr 11–19 Uhr, Sa 11–18 Uhr
Tel. (01) 595 52 55


Hunderte "Pariser" in den verschiedensten Varianten sind im hauseigenen Museum der Firma Condomi zu bestaunen. Untergebracht ist das Condomi-Museum im Schwesternbetrieb des in der Wiener Otto-Bauer-Gasse befindlichen Condomi-Geschäfts, und zwar in den Kellergewölben des unter dem Titel "Liebenswert - feminine LebensArt" firmierenden Erotik-Shops, wo sich Damen genüsslich auf eine Entdeckungsreise in das Reich der Lüste begeben können.

Die papsttaugliche Kondomvariante

Eine spezielle Abteilung des Condomi-Museums ist den Scherzkondomen gewidmet, die nicht für den eigentlichen, sondern bloß für den lustvoll-spielerischen Gebrauch gemacht wurden. Scherzkondome sind heute im Condomi-Shop nur noch in Restbeständen vorhanden, der Großteil der in den vergangenen Jahrzehnten angebotenen Ware ist aber nach wie vor in der Dauerausstellung des Museums zu finden.

Nur damit kein Missverständnis aufkommt: Das hier abgebildete Weihnachtsmannkondom dient weder der Verhütung noch dem üblichen Prozedere beim Liebesakt. Bei Scherzkondompackungen liegen jeweils zwei konventionelle Präservative bei, und die dritte – figürliche – Variante hat zwar eine gängige Passform, ist aber nicht für die praktische Verwendung geeignet.

Die Kondomvase ist eine Erfindung von Museumsdirektorin Ingrid Mack.

Die Kondomvase ist eine Erfindung von Museumsdirektorin Ingrid Mack.© Foto: Johann Werfring Die Kondomvase ist eine Erfindung von Museumsdirektorin Ingrid Mack.© Foto: Johann Werfring

Es ist erstaunlich, was sich Kondomhersteller alles einfallen ließen, um Liebespaaren beim sexuellen Vorspiel auf die Sprünge zu verhelfen: So etwa gibt es Scherzkondome mit eingebauten Musikchips, die bei Berührungen zu spielen beginnen, oder Sternzeichen-Scherzkondome. Bei Letzteren ist in den Packungen jeweils auch ein erotisches Horoskop beigelegt.

Gefinkelt konzipiert ist das in würdigem Grau gehaltene "Papstkondom". Es weist vorne eine Linie auf, an der es abgeschnitten werden soll – solcherart wird es "papsttauglich" gemacht. Neben Scherzkondomen mit nationaler Beflaggung gibt es auch noch solche, die mit Zentimeter-Strichlierung versehen sind, sowie jede Menge andere Schmunzeldinge aus Latex.

Die hier abgebildete Kondomvase ist eine eigene Erfindung von Geschäftsinhaberin und Museumsdirektorin Ingrid Mack, die sich von ihrer Profession her als "Erektionsbekleiderin" versteht. Das fragil wirkende Vasenbehältnis ist robuster, als zu vermuten wäre: Es hat eine Haltbarkeit von rund drei Wochen.


Artikel erschienen am 22. Dezember 2011
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7




Schlagwörter

Museumsstücke

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Dokument erstellt am 2011-12-16 15:23:09
Letzte Änderung am 2014-06-08 18:21:59



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