• vom 01.07.2010, 15:00 Uhr

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Update: 02.07.2015, 17:32 Uhr

Museumsstücke

Mit Hilfe der drei heiligen Maderln




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Von Johann Werfring

  • In vorindustrieller Zeit hatte bei schweren Krankheiten die Anrufung von Heiligen nicht selten einen höheren Stellenwert als verfügbare medizinische Mittel.

Votivbild aus Niederösterreich zu Ehren der drei heiligen Jungfrauen (Doppelvotivbild, Teil 1), Kopie aus 1899. Links: die heilige Barbara, Mitte: die heilige Margaretha, rechts: die heilige Katharina.

Votivbild aus Niederösterreich zu Ehren der drei heiligen Jungfrauen (Doppelvotivbild, Teil 1), Kopie aus 1899. Links: die heilige Barbara, Mitte: die heilige Margaretha, rechts: die heilige Katharina.© Foto: Johann Werfring Votivbild aus Niederösterreich zu Ehren der drei heiligen Jungfrauen (Doppelvotivbild, Teil 1), Kopie aus 1899. Links: die heilige Barbara, Mitte: die heilige Margaretha, rechts: die heilige Katharina.© Foto: Johann Werfring

In früheren Zeiten, als sowohl die universitäre Medizin als auch die Volksmedizin im Kampf gegen schwere Krankheiten nur geringe Mittel anzubieten hatte, kam den himmlischen Helfern ein Stellenwert zu wie man ihn heute nur noch schemenhaft erahnen kann. Neben der Gottesmutter zählte man in solch brenzligen Situationen vor allem auf die 14 Nothelfer, die mit ihrer Fürsprache bei Gott Beistand leisten sollten.

Heute sind aus dem Kreis der einstmals so beliebten Nothelfer nur noch wenige Patrone bekannt, etwa der heilige Blasius (am 3. Februar wird in den Kirchen alljährlich der Blasiussegen zur Abwendung von Halsschmerzen erteilt), der heilige Christophorus, der heute als Patron der Autofahrer verehrt wird, oder die heilige Barbara, die in Wien bei der Eröffnung von U-Bahn-Stollen immer wieder zu Ehren kommt. Was es mit dem heiligen Erasmus (ihm wurden mit einer Seilwinde die Gedärme aus dem Leib gerissen) oder mit dem heiligen Pantaleon (bei seiner Enthauptung floss aus dem Leichnam kein Blut, sondern Milch) auf sich hat, weiß heute kaum noch jemand. Deshalb möchte das Niederösterreichische Museum für Volkskultur in Groß-Schweinbarth dem kollektiven Gedächtnis wieder ein wenig auf die Sprünge helfen.

Votivbild aus Niederösterreich zu Ehren der drei heiligen Jungfrauen (Doppelvotivbild, Teil 2), Kopie aus 1899.

Votivbild aus Niederösterreich zu Ehren der drei heiligen Jungfrauen (Doppelvotivbild, Teil 2), Kopie aus 1899.© Foto: Johann Werfring Votivbild aus Niederösterreich zu Ehren der drei heiligen Jungfrauen (Doppelvotivbild, Teil 2), Kopie aus 1899.© Foto: Johann Werfring

Nur drei der 14 Nothelfer sind weiblich: die heilige Barbara, die heilige Margareta und die heilige Katharina. Wie das hier abgebildete zweiteilige Votivbild deutlich macht, wurden sie gerne gemeinsam angerufen. Die im Bild dargestellten Eltern, welche die Genesung ihres Kindes auf die Fürsprache der drei heiligen Jungfrauen sowie auf die Anwendung des volksmedizinischen "Jagerbrunn-Wassers" zurückführen, danken Gott dafür. Infolge des Wirkens himmlischer Mächte muss der Sensenmann vor dem Fenster wieder unverrichteter Dinge abziehen.

Marter des heiligen Erasmus mit der Seilwinde (Entdärmen), Holzrelief, frühes 16. Jahrhundert.

Marter des heiligen Erasmus mit der Seilwinde (Entdärmen), Holzrelief, frühes 16. Jahrhundert.© Foto: Johann Werfring Marter des heiligen Erasmus mit der Seilwinde (Entdärmen), Holzrelief, frühes 16. Jahrhundert.© Foto: Johann Werfring

Die frühere Beliebtheit der heiligen drei Jungfrauen kommt auch in einem alten Volkssprücherl recht gut zum Ausdruck: "Die Barbara mit dem Turm, / Die Margaret mit dem Wurm, / Die Katharina mit dem Radl, / Das sind die drei heiligen Madl." Freilich waren diese heiligen drei Maderln auch deshalb besonders "heilkräftig", weil sie bei Gott gleich dreifach ihre Fürsprache geltend machen konnten.


Die 14 Nothelfer
Nö. Museum für Volkskultur
2221 Groß-Schweinbarth
Hauptstraße 15
Di bis So 9–17 Uhr
bis 15. November 2010
Tel. 02289/2687 bzw. 02289/2302
http://museum.gross-schweinbarth.com

Artikel erschienen am 1. Juli 2010
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7




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Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2010-07-01 15:00:35
Letzte Änderung am 2015-07-02 17:32:07


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