• vom 26.05.2010, 19:56 Uhr

Museum

Update: 22.01.2015, 23:09 Uhr

Museumsstücke

Arznei der Könige, König der Arzneien




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Von Johann Werfring

  • Das Privatmuseum der Innsbrucker Apothekerfamilie Winkler bietet Einblicke in die Pharmaziegeschichte von der Antike bis zur Gegenwart.

Theriak- und Mithridatbehälter aus dem Apothekenmuseum Winkler.

Theriak- und Mithridatbehälter aus dem Apothekenmuseum Winkler.© Fotos: Apothekenmuseum Winkler Theriak- und Mithridatbehälter aus dem Apothekenmuseum Winkler.© Fotos: Apothekenmuseum Winkler

Der pontische König Mithridates VI. (132 bis 63 v. Chr.) wird heute vor allem wegen der gegen die Römer geführten "Mithridatischen Kriege" in Erinnerung behalten. Im Jahr 63 v. Chr. sah er sich gezwungen, seinem Leben nach Königsart mittels Giftbecher ein Ende zu bereiten. Wie überliefert ist, erwies sich das eingenommene Gift jedoch als völlig wirkungslos, weil ihm sein Leibarzt jahrelang eine aus 54 Bestandteilen bestehende Mixtur verabreicht hatte, die sein Immunsystem immens gestärkt hatte. Deshalb ließ sich Mithridates von seinem Diener erdolchen.

Ein Allheilmittel für Kaiser Nero


Die unter dem Namen "Mithridat" zu Ansehen gelangte Medizin wurde später von Andromachus, dem Leibarzt des römischen Kaisers Nero (37 bis 68 n. Chr.), weiterentwickelt und um eine Reihe von Ingredienzien erweitert. In beständiger Angst vor Giftanschlägen soll Nero täglich eine ordentliche Dosis davon zu sich genommen haben.

Schließlich fand der Theriak des Andromachus Eingang in den medizinischen Kanon. Bis ins 19. Jahrhundert wurde er von Medizinalautoritäten hoch geschätzt. Der im Range eines "Allheilmittels" stehende Theriak galt als "Arznei der Könige und König der Arzneien". Dementsprechend war er lediglich den Adeligen und betuchten Bürgern vorbehalten. Unter den Arzneien der Armen galt der Knoblauch als Allheilmittel, weshalb er früher als "Bauerntheriak" bezeichnet wurde.

Barocker Apothekenkasten, darüber ein Walphallus mit exklusiven Naturalien.

Barocker Apothekenkasten, darüber ein Walphallus mit exklusiven Naturalien.© Foto: Apothekenmuseum Winkler Barocker Apothekenkasten, darüber ein Walphallus mit exklusiven Naturalien.© Foto: Apothekenmuseum Winkler

Einer der wunderschönen barocken Apothekenkästen des Innsbrucker Apothekenmuseums ist ganz oben in der Mitte von einem Behältnis bekrönt, welches früher einmal mit der begehrten Königsarznei angefüllt war (mittleres Bild). Oberhalb davon sind an einem Walpenis allerlei kostbare Naturalien aufgehängt. In der Reihenfolge von links nach rechts sind hier zu sehen: Perlmutt, Mumienhand, Kokosnuss, Elfenbein, Rhinozeroshorn, Straußenei, Elchklaue und Seychellen-Nuss.

Solche Naturalien waren früher auch in fürstlichen Wunderkammern vertreten; in Apotheken dienten sie der Herstellung exklusiver Arzneien. So etwa galt Mumienpulver bei Pest als heilkräftig und Elchklaue wurde bei Epilepsie verordnet. Gewisse Bestandteile des Theriaks (wie auch das Allheilmitteldenken per se) überdauerten übrigens – in abgespeckter Version – in Form des Schwedenbitters, weiß Museumschef Andreas Winkler zu berichten.

Apothekenmuseum Winkler
6020 Innsbruck, Herzog-Friedrich-Straße 25
Besichtigung nur mit Voranmeldung, maximal 10 Personen
Tel. 0512/58 93 88

Artikel erschienen am 27. Mai 2010
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2010-05-26 19:56:15
Letzte Änderung am 2015-01-22 23:09:16


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