• vom 15.03.2012, 07:30 Uhr

Museum

Update: 16.11.2015, 23:24 Uhr

Museumsstücke

Sockenmahnmal im verruckten Dorf




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Von Johann Werfring

  • Ein Buchprojekt der Edition Winkler-Hermaden gab den Anlass zu einer Ausstellungsserie über die Kultur und Geschichte des östlichen Weinviertels.

Einzelsockenpräsentation am 26. Oktober 2008.

Einzelsockenpräsentation am 26. Oktober 2008.© Foto: Edition Winkler-Hermaden Einzelsockenpräsentation am 26. Oktober 2008.© Foto: Edition Winkler-Hermaden

Die von der Edition Winkler-Hermaden initiierte Ausstellungsserie "Nur ka Wasser net", zu der im vorigen Jahr auch ein empfehlenswertes Buch mit gleichlautendem Titel erschien, macht derzeit im Stadtwirtshaus von Wolkersdorf Station. Anhand von Fotografien, die bis in die Zeit des frühen 20. Jahrhunderts zurückdatieren, werden im Kontext der Geschichte des Weins die Dörfer des östlichen Weinviertels porträtiert.

Information

Nur ka Wasser net
Zur Geschichte von Weinbau und Weingenuss im östlichen Weinviertel
Stadtwirtshaus Wolkersdorf
2120 Wolkersdorf (NÖ), Hauptstraße 41
Ausstellungseröffnung und Buchpräsentation
am Freitag, 16. März, um 19 Uhr
Ausstellung bis 15. April
So, Mo 9–17 Uhr, Di bis Sa 9–22 Uhr
Tel. 02245/3404


Mit einer Rebfläche von rund 700 Hektar und 319 Weinbaubetrieben ist nach dem Ersten Weltkrieg Herrnbaumgarten die größte Weinbaugemeinde des Weinviertels gewesen. In den 1950er Jahren zählte man in Herrnbaumgarten noch 200 Weinbauern. Nach letztem Stand gibt es derzeit jedoch bloß 22 hauptberufliche Winzer im Ort. Ungeachtet dieses beachtlichen Schrumpfungsprozesses genießt aber der Herrnbaumgartner Wein nach wie vor großes Ansehen.

Einzelsocken-Sammellade

Im Gegensatz zu den meisten anderen Gemeinden des Weinviertels erwarb sich Herrnbaumgarten seine Bekanntheit nicht allein durch den Rebensaft. Das im Jahr 1994 eröffnete Nonseum machte den Ort über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt. Gegründet wurde dieses Museum auf Betreiben des "Vereins zur Verwertung von Gedankenüberschüssen". Die Objekte des Nonseums sind "Erfindungen, die das tägliche Leben erleichtern" (aber nicht gebraucht werden) und sollen nach der Intention der Betreiber die hohe Kunst des Augenzwinkerns vermitteln.

Im Herrnbaumgartner Nonseum gibt es eine Einzelsocken-Sammellade, wo ganzjährig Einzelsocken abgegeben werden können. Alljährlich am Nationalfeiertag (26. Oktober) wird ein groß angelegter Einzelsocken-Wandertag veranstaltet, bei dem die Einzelsocken an einem Wanderweg aufgehängt und zur Schau gestellt werden. "Solcherart haben manche Einzelsocken eine Möglichkeit, neue Partnerschaften einzugehen", sagt Fritz Gall vom Nonseum.

Flaschenpostamt in Herrnbaumgarten.

Flaschenpostamt in Herrnbaumgarten.© Foto: Edition Winkler-Hermaden Flaschenpostamt in Herrnbaumgarten.© Foto: Edition Winkler-Hermaden

Briefe und Bouteillen

Bislang blieben aber Tausende Einzelsocken partnerlos und dämmern seit Jahren ihrer witterungsbedingten Auflösung entgegen. Um die Tragödie nachhaltig zu betonen, haben die Herrnbaumgartner auch ein Einzelsockenmahnmal errichtet. Die Hintergründe des Abhandenkommens der Partnersocken sind noch nicht ausreichend erforscht; angeblich werden manche von den Waschmaschinen gefressen . . .

Im Jahr 2001 erklärte sich Herrnbaumgarten zum "verruckten Dorf", wofür es später den Dorferneuerungspreis des Landes Niederösterreich erhielt. Als im Jahr 2002 das örtliche Postamt geschlossen wurde, ließ man sich mit der Gründung von "Flaschenpostämtern" in den Weinbaubetrieben eine weitere "verruckte" Aktion einfallen. Seither werden Briefe und Postkarten zusammen mit Bouteillen direkt ab Hof versandt.

Print-Artikel erschienen am 15. März 2012
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7




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Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2012-03-12 15:11:08
Letzte Änderung am 2015-11-16 23:24:56


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