• vom 26.04.2012, 00:00 Uhr

Museum

Update: 12.08.2016, 21:51 Uhr

Museumsstücke

Lauschiger Kosmos im "Hochzeit-Kastl"




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Von Johann Werfring

  • Das Kaiser-Franz-Josef-Museum in Baden bei Wien gibt in seiner Dauerausstellung Einblicke in die Welt der Bienenväter von anno dazumal.

"Bienenbaron" August von Berlepsch (l.), das "Badner Hochzeit-Kastl" (M.) und ein Imker mit Wabe und Bienen. - © Johann Werfring

"Bienenbaron" August von Berlepsch (l.), das "Badner Hochzeit-Kastl" (M.) und ein Imker mit Wabe und Bienen. © Johann Werfring

Die historische Bienenecke in dem am Rande des Wienerwaldes befindlichen Kaiser-Franz-Josef-Museum in Baden bei Wien inspiriert zu einer tagträumerischen Zeitreise in die beschauliche Welt der Bienenväter, wie die Imker früher genannt wurden. Ein beeindruckender Blickfang ist freilich die geradezu kolossale Vorrichtung aus Eichenholz, die erst nach näherem Hinsehen und genauerem Studium der Objektdaten als Honigpresse aus dem 18. Jahrhundert zu identifizieren ist. Derartige Pressen wurden insbesondere in Heidegegenden verwendet, wo es wegen der geleeartigen Konsistenz des Heidehonigs nicht möglich war, diesen durch einfaches Ausfließen zu gewinnen.

Information

Kaiser-Franz-Josef-Museum
2500 Baden bei Wien, Hochstraße 51
Di bis So 1418 Uhr
geöffnet von 1. Mai bis 31. Oktober
Tel. 0 22 52/411 00
www.kaiser-franz-josef-museum-baden.at


Recht heimelig mutet das "Badner Hochzeit-Kastl" an, das der Königin vom Bienenvater zum Zwecke der Zucht als Behausung angeboten wurde. Die Bauweise dieser Zuchtbehausung und die Art ihrer Bemalung lassen darauf schließen, dass die Uhren zur Zeit der Entstehung dieses Objekts wesentlich langsamer tickten als heutzutage.

Als ein Pionier der modernen Imkerei wird im Museum der aus Thüringen stammende Freiherr August von Berlepsch (1815 bis 1877) vorgestellt. Seine Leidenschaft für die Imkerei wurde schon im Kindesalter geweckt. Zu seinem siebenten Geburtstag erhielt er als Belohnung für eine gute schulische Leistung ein Bienenvolk geschenkt. Als er später in Halle, Leipzig und Bonn Jura studierte, hatte er stets etliche Bienenvölker dabei.

In Anknüpfung an die Lehren des schlesischen Priesters und Bienenforschers Johann Dzierzon (1811 bis 1906) befasste sich Berlepsch wissenschaftlich mit der Imkerei und erfand 1852 das Wabenrähmchen, für das er eine eigene Beute, also einen Bienenstock, entwickelte.

Hölzerne Honigpresse aus dem Jahr 1769 im Kaiser-Franz-Josef-Museum.

Hölzerne Honigpresse aus dem Jahr 1769 im Kaiser-Franz-Josef-Museum.© Johann Werfring Hölzerne Honigpresse aus dem Jahr 1769 im Kaiser-Franz-Josef-Museum.© Johann Werfring

Die von ihm ersonnene Lösung mit beweglichen Rähmchen im Brut- und Honigraum war in nachhaltiger Weise richtungweisend, wodurch sich Berlepsch als "Bienenbaron" in die Geschichte der Honiggewinnung einschrieb. Erst dadurch wurden entscheidende Innovationen wie die Erfindung der künstlichen Mittelwand (1858) und die Erfindung der Honigschleuder (1865) möglich.

Print-Artikel erschienen am 26. April 2012
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2012-04-23 21:35:06
Letzte Änderung am 2016-08-12 21:51:58


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