• vom 03.01.2013, 00:00 Uhr

Museum

Update: 21.03.2015, 22:35 Uhr

Museumsstücke

Schwarz-weiße Köpfe mit vielen Stimmen




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Von Johann Werfring

  • Hazem El Mestikawy regt im Wiener Künstlerhaus mit seiner Installation "Seven Heads" zur Reflexion über einen flexibleren Dialog der Kulturen an.

Blick in das Modell des Ausstellungsraumes von Hazem El Mestikawy. - © Foto: Johann Werfring

Blick in das Modell des Ausstellungsraumes von Hazem El Mestikawy. © Foto: Johann Werfring

Ohne Bildzeichen können wir uns heute weder einen Computerbildschirm noch einen Flughafen oder Bahnhof vorstellen. Was heute zu unserem Alltag gehört, wurde vor fast einem Jahrhundert von Otto Neurath gemeinsam mit dem Grafiker Gerd Arntz entwickelt.

Blick in den Ausstellungsraum mit der arabischen Zierschrift.

Blick in den Ausstellungsraum mit der arabischen Zierschrift.© Foto: Johann Werfring Blick in den Ausstellungsraum mit der arabischen Zierschrift.© Foto: Johann Werfring

Der Soziologe und Ökonom Otto Neurath wurde am 10. Dezember 1882 in Wien geboren. Er starb am 22. Dezember 1945 in Oxford. Noch heute haben seine Visualisierungen nicht nur Einfluss auf die internationale Kommunikation, sondern auch auf die künstlerische Produktion. Das Wiener Künstlerhaus gratuliert dem Erfinder der Piktogramme mit der Schau "Zeit(lose) Zeichen" zum 130. Geburtstag.

Information

Zeit(lose) Zeichen.
Gegenwartskunst in Referenz zu Otto Neurath

Künstlerhaus
1010 Wien, Karlsplatz 5
Täglich 9-17 Uhr, Do 10–21 Uhr
(bis 17. Februar)
Tel. (01) 587 96 63


Ich bin der Andere

Beim Eintritt in die Ausstellung wird der Blick von der den Hauptraum dominierenden Projektion "Garden of error and decay" gefangen, die – wie die meisten Installationen der Ausstellung – die Welt, in der wir leben, in Buntheit und Bewegung darstellt. Etliche Künstler haben ihr Werk auf der Basis statistischer Daten aufgebaut. Beispielsweise können wir mit einem Werk von Christian Rupp die Höhen und Tiefen des Dow-Jones-Index auf einer Hochschaubahn-Fahrt erkunden.

Nun betrete ich einen seitlichen Kuppelraum, und plötzlich bewegt sich nichts. Die Farbpalette ist weitestgehend auf die Farben Schwarz und Weiß reduziert. Sieben piktogrammatisch reduzierte Köpfe hängen an der Wand, unterschieden voneinander vor allem durch ihre – ebenfalls stilisierte – Kopfbedeckung. Am Boden des Raumes stehen sieben Objekte, die den Köpfen entsprechen. Sie sind mit winzigen Papierschnipseln beklebt, die in vielen Sprachen immer den gleichen Satz tragen: "Ich bin der Andere".

Hazem El Mestikawy, der den Raum gestaltet hat, ist Schweizer und ägyptischer Staatsbürger; er lebt in Wien und Kairo. Viele Werke von ihm basieren auf der Arbeit mit Karton und Papier.

Egalität im Dialog

Die Installation "Seven Heads" zeigt die Einteilung der Welt in Schwarz und Weiß und kritisiert diese Klassifikation, weil sie Vorurteile bestärkt. Statt sich gegenseitig als "die Anderen" zurückzuweisen, denken sich die Kopf-Skulpturen jedoch in den anderen hinein. Das verleiht den Objekten die Möglichkeit, miteinander in eine gleichberechtigte Beziehung einzutreten. "Interaktivität und Austausch sind prinzipielle Bedingungen für eine ideale Ausgewogenheit", hält der Künstler im Text zu seinem Werk fest.

In der Mitte des Raumes, den Hazem El Mestikawy gestaltet hat, ist im Inneren eines Modells der Ausstellungsraum nachgebildet. Bei einem Blick in diesen Raum wiederholt sich das Szenario in Variationen. Hier ist das Schriftband, das die Installation umrahmt, in mehreren Sprachen ausgeführt. So können wir nun – fast ohne Hilfe des Künstlers – das Fries im Kuppelraum des Künstlerhauses entziffern. In arabischer Zierschrift ist dort zu lesen, was wir schon von den Köpfen "gehört" haben: "Ich bin der Andere".

Print-Artikel erschienen am  3. Jänner 2013
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7




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Dokument erstellt am 2012-12-26 17:38:06
Letzte Änderung am 2015-03-21 22:35:32


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