• vom 14.02.2013, 06:15 Uhr

Museum

Update: 24.02.2015, 01:42 Uhr

Museumsstücke

Das Stahlungetüm in der Wiener Karlskirche




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Von Johann Werfring

  • Die Karlskirche ist das bedeutendste sakrale Bauwerk des Barock in Wien. Seit mehr als zehn Jahren wird das Gotteshaus weitgehend als Museum genutzt.

Seit 2002 befindet sich in der Wiener Karlskirche ein gigantischer Panoramalift. - © Johann Werfring

Seit 2002 befindet sich in der Wiener Karlskirche ein gigantischer Panoramalift. © Johann Werfring

Christliche Gotteshäuser sind in vielen Fällen nicht nur Stätten des Gebets. Heutzutage sind prächtig ausgestattete Kirchen für so manche Besucher vor allem in kulturgeschichtlicher Hinsicht von Interesse. Die bedeutendsten Kirchen der österreichischen Bundeshauptstadt werden seit Jahren überwiegend museal und nur noch in geringem Maße als Andachtsorte genutzt.

Information

Karlskirche
1040 Wien, Karlsplatz/Argentinierstraße
Mo bis Sa 9–12.30 Uhr und 13–18 Uhr,
So und Feiertag 12–17.45 Uhr
Tel. (01) 504 61 87


In der Wiener Karlskirche gibt es gleich drei museale Bereiche: den Kirchenraum selbst, die Schatzkammer (Museo Borromeo) sowie das Museo Nuovo, wo seit mehreren Jahren immer wieder Sonderaustellungen gezeigt werden.

Pro und kontra Panoramalift

Der beeindruckendste Bereich ist freilich der barocke Kirchenraum. Seit dem Jahr 2002 steht dort ein gigantischer Aufzug, der die Besucher in schwindelerregende Höhen befördert, wo sie die von dem bedeutenden Barockmaler Johann Michael Rottmayr (1654 bis 1730) geschaffenen Kuppelfresken aus nächster Nähe bewundern können. Dargestellt ist dort in einer Anzahl von bildlichen Szenen das Wirken des heiligen Karl Borromäus, dem die Kirche 1737 geweiht wurde.

Wie auch in den einschlägigen Internetforen nachzulesen ist, schwanken die Besucher der Karlskirche hinsichtlich des Kirchenlifts zwischen Euphorie und Ablehnung. Einerseits wird ja die einzigartige Möglichkeit geboten, die hochrangigen Artefakte in der Kirchenkuppel haarscharf in Augenschein zu nehmen, andererseits wird durch die aufwendig gestaltete Aufzugskonstruktion der Gesamteindruck des Kircheninnenraums extrem beeinträchtigt.

Nachdem der Aufzug im Jahr 2002 zum Zweck der Kuppelfresken-Renovierung aufgestellt worden war, kündigten die Kirchenverantwortlichen an, dass er Ende 2005 wieder abgebaut würde. Bis dahin sollten Touristen und sonstige Kirchenbesucher den Aufzug benutzen und auch den Restauratoren bei der Arbeit zuschauen dürfen.

Rechtfertigung der Eintrittsgebühr

Wie lange noch blickt der heilige Karl Borromäus auf das Stahlgerüst?

Wie lange noch blickt der heilige Karl Borromäus auf das Stahlgerüst?© Johann Werfring Wie lange noch blickt der heilige Karl Borromäus auf das Stahlgerüst?© Johann Werfring

Freilich erhöhte die Aufzugsbenutzung für viele Besucher die Attraktivität und rechtfertigte zudem die Einhebung der seit dem Jahr 2000 vorgeschriebenen Eintrittsgebühr von zunächst 40 Schilling (umgerechnet 2,91 Euro). Mittlerweile wurde der Eintritt allerdings auf 8 Euro erhöht.

In den Eintritt inkludiert ist neben der Benutzung des Lifts auch die Besichtigung der als Dauerausstellung gestalteten Schatzkammer (Museo Borromeo), wo unter anderem eine Reliquie und eine Mitra des heiligen Karl Borromäus zu sehen sind, sowie des Museo Nuovo. Dort ist zurzeit eine Sonderausstellung mit Fotografien zur Karlskirche von Peter Kainz zu sehen.

Es ist jedenfalls bemerkenswert, dass hinsichtlich des für Restaurierungszwecke längst nicht mehr benötigten Aufzugs bisher so gut wie keine öffentliche Diskussion geführt wurde. Man darf gespannt sein, wie lange dieses Provisorium noch verlängert wird.

Print-Artikel erschienen am  14. Februar 2013
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7




Schlagwörter

Museumsstücke, Karlskirche

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Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2013-02-11 21:41:09
Letzte Änderung am 2015-02-24 01:42:53


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