• vom 08.08.2013, 00:00 Uhr

Museum

Update: 29.10.2013, 15:50 Uhr

Museumsstücke

In der Kaiserstadt auf den Hund gekommen




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Von Johann Werfring

  • Museumsstücke
  • Den klischeehaft zu "Typen" verklärten Figuren des Alt-Wiener Straßenbildes ist im Wien Museum am Karlsplatz eine sehenswerte Ausstellung gewidmet.

"Wiener Wasserverkäufer", Holzstich, Zeichnung: Leo von Elliot, 25 x 15 cm. Eine Szene aus der Zeit um 1870. - © Wien Museum

"Wiener Wasserverkäufer", Holzstich, Zeichnung: Leo von Elliot, 25 x 15 cm. Eine Szene aus der Zeit um 1870. © Wien Museum

August Stauda: Hundefuhrwerk, um 1900, Fotografie.

August Stauda: Hundefuhrwerk, um 1900, Fotografie.© Foto: Sammlung Christian Lunzer, Wien August Stauda: Hundefuhrwerk, um 1900, Fotografie.© Foto: Sammlung Christian Lunzer, Wien

Zu Zeiten der Habsburgermonarchie zählten Fuhrwerke mit vorgespannten Hunden zum alltäglichen Stadtbild Wiens. Bereits auf dem Wien-Plan von Bonifaz Wolmuet aus dem Jahr 1547 sind im Bereich der über den Donaukanal führenden Schlagbrücke (der heutigen Schwedenbrücke) Zughunde mit Karren abgebildet. Bei einer im Jahr 1871 durchgeführten Wiener Verkehrserhebung wurden auf der stark befahrenen inneren Währinger Straße an einem Werktag insgesamt 71 von Hunden gezogene Fuhrwerke gezählt.

Freilich handelte es sich bei solchen Vehikeln um Beförderungsmittel von ärmeren Leuten, insbesondere von Kleinhändlern. Der Hund hatte zumeist eine kräftige Statur, mitunter waren auch zwei oder drei Hunde vorgespannt.

Information

Wiener Typen – Klischees und
Wirklichkeit

Wien Museum Karlsplatz
1040 Wien, Karlsplatz
bis 6. Oktober 2013
Di bis So und Feiertag 10–18 Uhr
Tel. (01) 505 87 47-0
www.wienmuseum.at


Bei dem hier abgebildeten, nach einer Zeichnung von Leo Elliot angefertigten Holzstich sind gleich mehrere "Wiener Typen" dargestellt: Der ermattete Hundefuhrwerks-Führer fungiert zugleich als "Wassermann". Den Gefährten liefen oft "Wasserbuben" voran, die mit dem Ruf "Der Wassermann ist da" auf dessen Eintreffen aufmerksam machten. In die Häuser getragen wurde das Wasser in hölzernen Butten von den "Wasserweibern".

Die im Jahr 1918 in einem Zeitungsbericht erwähnte "Wasser Kathl" lieferte 30 Jahre lang, von 1860 bis 1890, Trinkwasser, das von öffentlichen Auslaufbrunnen nach Ottakring, Neulerchenfeld und Hernals verfrachtet wurde, in die Wohnhäuser. Für die Anlieferung in ebenerdig gelegene Wohnungen verlangte sie 5 Kreuzer pro Butte, für die Versorgung im 1. Stock 6 Kreuzer pro Butte und für das Hinauftragen des Wassers in höher gelegene Stockwerke bis zu 8 Kreuzer pro Butte.

Was die Hundefuhrwerke anlangt, so setzte sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts der Wiener Tierschutzverein für eine Optimierung der Zustände ein. Infolgedessen wurde 1852 die Misshandlung der Tiere per Gesetz untersagt. 1884 wurde das Anbringen der Deichsel am Zuggeschirr statt am Halsband verfügt und der Wagenführer aufgefordert, sich am Ziehen zu beteiligen. Der Tierschutzverband beklagte jedoch, dass die Polizei Verstöße gegen die Vorschriften nicht exekutierte.

Print-Artikel erschienen am 8. August 2013
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7




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Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2013-08-01 13:47:12
Letzte Änderung am 2013-10-29 15:50:38


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