• vom 25.09.2014, 00:00 Uhr

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Museumsstücke

Der gefesselte k.u.k. Senkrechtstarter




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Von Johann Werfring

  • Gegen Ende des Ersten Weltkrieges erzielten etliche Pioniere der Hubschraubertechnik in dem östlich von Wien gelegenen Ort Fischamend erstaunliche Erfolge.

Der Schraubenfesselflieger PKZ-2 in Fischamend im Versuch beim Abheben (l.) und mit aufgesetztem Beobachterkorb (r.). - © Fischamender Museum für Luftfahrt- und Zeitgeschichte

Der Schraubenfesselflieger PKZ-2 in Fischamend im Versuch beim Abheben (l.) und mit aufgesetztem Beobachterkorb (r.). © Fischamender Museum für Luftfahrt- und Zeitgeschichte

Nachdem Leonardo da Vinci bereits an der Wende zur Neuzeit eine Art Vorläufermodell des späteren Hubschraubers ersonnen hatte, beschäftigte sich im 19. Jahrhundert eine Reihe von Konstrukteuren erneut mit dieser Idee. Der praktische Erfolg eines mit Personen besetzten Senkrechtstarters musste zu jener Zeit freilich alleine schon mangels eines geeigneten Antriebsmotors scheitern.

Nachdem etliche Forscher seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert mit Schraubenfesselfliegern (also gefesselten Hubschraubern) experimentiert hatten, wurde diese Idee im Jahr 1916 von dem Ungarn Stephan Petróczy von Petrócz, einem Offizier der k.u.k Armee, aufgegriffen. Der in Wiener Neustadt stationierte Kommandant eines Lehrbattaillons machte dem k.u.k. Kriegsministerium den Vorschlag, die riesigen – zur Feindbeobachtung eingesetzten – Fesselballone (welche von Flugzeugen und feindlicher Artillerie allzu leicht abzuschießen waren), durch Schraubenfesselflieger zu ersetzen. Prompt erhielt Petróczy für deren Entwicklung die enorme Summe von 100.000 Kronen bewilligt.

Information

Fischamender Museum
für Luftfahrt und Zeitgeschichte

2401 Fischamend, Hainburger Straße 4
Geöffnet an jedem ersten Samstag im Monat von 10–12 und 15–19 Uhr sowie nach Vereinbarung für Führungen (Mai bis Oktober)
Tel. 02232/773 00


Nach seiner Ernennung zum Kommandanten des Fliegerarsenals Fischamend Mitte 1917 konnte er sich seinem Lieblingsprojekt voll widmen. Mit der Entwicklung waren Oberleutnant Dr. Theodor von Kármán und Ingenieurlieutnant Wilhelm Zurovec betraut. In Fischamend war damals der erste Windkanal der Welt zur Prüfung von Luftschrauben eingerichtet.

Nachdem man zunächst erfolgreich mit einem Modell gearbeitet hatte, wurde ein mit vier Rotoren ausgestatteter Schraubenfesselflieger gebaut, der von einem am Boden stationierten 190PS starken Elektromotor angetrieben und mit drei Seilen stabilisiert wurde. Das nach seinen Konstrukteuren (Petróczy, Kármán und Zurovec) später als PKZ-1 bezeichnete Fluggerät stieg etliche Male bis zu fünf Meter auf und konnte sogar drei Personen befördern. Jedoch erwies sich der Motor letztlich als zu schwach und brannte durch.

Höhenrekord in Fischamend

Daraufhin konstruierte Wilhelm Zurovec mit gegenläufigen hölzernen Luftschrauben und mit drei direkt im Rohrgestell befestigten Benzin-Motoren den später als PKZ-2 bezeichneten Schraubenfesselflieger. Der ebenfalls mit drei Seilen gefesselte Senkrechtstarter erreichte bei rund 30 Testflügen eine Flughöhe von ungefähr 50 Metern, was zu jener Zeit einen Rekord darstellte. Als der PKZ-2 jedoch am 10. Juni 1918 den verantwortlichen Militärs vorgeführt wurde, stürzte das Gerät ab. Der zu Ende gehende Krieg verhinderte eine weitere Entwicklung.

Im Jahr 1919 wurde das Fischamender Fliegerarsenal schließlich von der italienischen Siegermacht demontiert. Den dort aufgefundenen Schraubenfesselflieger PKZ-2 transportierten italienische Soldaten in ihr Heimatland.

Print-Artikel erschienen am 25. September 2014
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7




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Dokument erstellt am 2014-09-22 13:50:05
Letzte Änderung am 2014-09-23 17:20:00


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