• vom 06.11.2014, 00:00 Uhr

Museum

Update: 12.11.2014, 00:04 Uhr

Museumsstücke

Legionäre, Sänger, Veilchenverderber




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Von Johann Werfring

  • Das im Tullnerfeld gelegene Zeiselmauer darf mit seiner Geschichte und den reizvollen historischen Relikten als ein besonders österreichischer Ort gelten.

Einziger in Österreich frei stehend erhaltener Fächerturm.

Einziger in Österreich frei stehend erhaltener Fächerturm.© Johann Werfring Einziger in Österreich frei stehend erhaltener Fächerturm.© Johann Werfring

Wenn von Wien immer wieder behauptet wird, dass seine Straßen "nicht mit Steinen, sondern mit Geschichte gepflastert" sind, so darf dies ebenso für den stromaufwärts gelegenen Ort Zeiselmauer gelten. Schon im ersten nachchristlichen Jahrhundert gab es dort ein römisches Kastell, das bis zum Niedergang des Imperium Romanum Teil der gewaltigen Grenzbefestigung gegen die sogenannten Barbaren gewesen ist.

Neben weiteren Überresten des römischen Kastells zählt der auf einem Privatgrundstück befindliche Fächerturm aus der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts zu den kulturellen Highlights von Zeiselmauer. Durch den fächerförmigen Grundriss ragte er weit über die Lagermauern hinaus, wodurch die Verteidiger ihre Waffen gegen Angreifer optimal einsetzen konnten. Noch viel eindrucksvoller ist indes der "Burgus" der Anlage, der vor wenigen Jahrzehnten noch in ein bäuerliches Anwesen verwoben war, heute jedoch wieder in voller Pracht zu besichtigen ist.

Information

Freilichtmuseum Zeiselmauer
3424 Zeiselmauer-Wolfpassing (NÖ)
Ganzjährig frei zugänglich


Imposantes Bauwerk in Zeiselmauer aus römischer Zeit: der "Körnerkasten".

Imposantes Bauwerk in Zeiselmauer aus römischer Zeit: der "Körnerkasten".© Johann Werfring Imposantes Bauwerk in Zeiselmauer aus römischer Zeit: der "Körnerkasten".© Johann Werfring

Ergötzliche Historien vom Bauernfeind


Ein spezielles Schmankerl ist ob seines guten Erhaltungszustandes der "Körnerkasten", dessen Mauerwerk bis zum Dach hinauf aus spätantiker Zeit stammt. Es handelt sich um eines der größten erhaltenen römischen Gebäude in Österreich. Infolge seiner mittelalterlichen Nutzung als Getreidespeicher bildet er ein Signum einer weiteren Epoche, die den Ort bis heute bedeutend prägt.

Bereits in karolingischer Zeit gab es in Zeiselmauer eine Saalkirche, die zu den frühesten christlichen Gotteshäusern Niederösterreichs zählt. Unter der heutigen Pfarrkirche entdeckte man ein römisches Fahnenheiligtum, in welchem sich die Truppenzeichen und ein Standbild des römischen Kaisers befanden. Der Klerus hat es schon recht früh verstanden, alte heidnische Heiligtümer mit christlichen Kultstätten zu überwölben.

Literarisch spielt Zeiselmauer hinsichtlich des Mittelalters nicht nur im Zusammenhang mit dem Nibelungenlied eine Rolle. Vor allem bezieht sich das einzige erhaltene (außerliterarische) Lebenszeugnis Walthers von der Vogelweide auf den Ort.

Ergötzlich sind auch die Historien des Minnesängers Neidhart von Reuental und seiner Epigonen. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde der von Neidhart besungene Ritter zu einer sagenhaften Figur stilisiert. Im "Veilchenschwank" findet er das erste Veilchen im Jahr, bedeckt es mit einem Hut und eilt zum Wiener Herzogshof, um seinen Fund zu melden. Als er die Herzogin und die erlauchte Hofgesellschaft – nach altem Brauch – in feierlicher Prozession zur Fundstelle führt, ist der Schreck nicht gering: Der Ritter lüftet den Hut, jedoch kommt anstelle des Veilchens eine gar stinkende Hinterlassenschaft zum Vorschein. Ein Bauer aus Zeiselmauer hatte ihm den üblen Streich gespielt.

In einer Reihe von groben Schwänken reagiert nun der Ritter seinen Unmut an den Bauern von Zeiselmauer ab. An der Durchzugsstraße erinnert noch heute der "Gasthof zum lustigen Bauern" an derlei Begebenheiten . . .

Print-Artikel erschienen am 6. November 2014
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7




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Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2014-10-31 14:50:07
Letzte Änderung am 2014-11-12 00:04:45


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