• vom 22.01.2015, 00:00 Uhr

Museum

Update: 15.01.2017, 22:26 Uhr

Museumsstücke

Die Energie der Engel




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Von Johann Werfring

  • Eine herrliche Sonderausstellung im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek vermittelt spannende Einblicke in Engelsvorstellungen verschiedener Religionen.

Handschriften der Österreichischen Nationalbibliothek: Die neun Engelschöre vor Gottes Thron, um 1500 (l.); Engel bewegen die Planetenbahnen, um 1350 (r.). - © Österreichische Nationalbibliothek

Handschriften der Österreichischen Nationalbibliothek: Die neun Engelschöre vor Gottes Thron, um 1500 (l.); Engel bewegen die Planetenbahnen, um 1350 (r.). © Österreichische Nationalbibliothek

Wie kamen die zunächst flügellosen Engel zu ihren schönen Schwingen? Warum fielen manche Engel von Gott ab? Ab wann veränderten die ursprünglich männlichen Engel ihr Geschlecht? Weshalb wurden Engel verkindlicht? Wie viele Engel passen auf eine Nadelspitze?

Fragen wie diese und noch eine ganze Menge mehr werden in der noch bis 1. Februar gezeigten Engel-Ausstellung der Österreichischen Nationalbibliothek sowie im absolut lesenswerten Ausstellungskatalog erörtert. Und wo könnte ein solch himmlisches Thema besser präsentiert werden als im Prunksaal am Josefsplatz, der wohl der schönste Raum Österreichs ist?

Information

Engel – Himmlische Boten
in alten Handschriften

Prunksaal der Österreichischen
Nationalbibliothek
1010 Wien, Josefsplatz 1
Di bis So 10–18 Uhr (Do 10–21 Uhr)
bis 1. Februar 2015
Tel. 01/534 10 464/261
www.onb.ac.at


Die hier abgebildeten Handschriften der Österreichischen Nationalbibliothek illustrieren den Stellenwert der Engel im Weltgefüge. Die im Mittelalter gängigen Vorstellungen vom Wirken der Engel waren in erheblichem Maße geprägt von der Engellehre eines Mannes, der im 5. Jahrhundert lebte und unter dem Namen Pseudo-Dionysios in die Geschichte eingegangen ist. Im Wesentlichen verpasste er den bis dahin gängigen Engelsvorstellungen in einem hierarchisch gegliederten neuplatonischen Konzept eine neue Ordnung. Seine Texte wurden in der Folge von maßgebenden Gelehrten des Mittelalters wie Albertus Magnus, Thomas von Aquin und Johannes Duns Scotus rezipiert und kommentiert.

Pseudo-Dionysios ordnete die Engel in eine neunstufige Hierarchie ein und unterteilte diese wiederum in drei Unterstufen. In dieser Ordnung kam den englischen Wesen – wie hier abgebildet – eine spezielle Funktion zu: Sie bewegen die Himmelssphären.

Als Vertreter der höchsten Kategorie sollten die sechsflügeligen Seraphim für die Bewegung des Primum Mobile zuständig sein. Die Cherubim wiederum dachte man sich als jene Wesen, die für die Sphäre der Fixsterne verantwortlich sind. In selber Weise schrieb man den Thronen, den Herrschaften, den Kräften, den Gewalten, den Fürstentümern, den Erzengeln und schließlich den Engeln Zuständigkeiten für die übrigen Sphären zu. Die den Menschen am nächsten stehenden Engel waren nach solcher Lehre die Beweger der lunaren Sphäre.

Wenngleich diese Vorstellungen von führenden geistigen Autoritäten des Mittalters vertreten wurden, sollten sie dennoch nicht unwidersprochen bleiben. Eine kritische Bewegung ging vor allem von Wilhelm vom Ockham aus.

Print-Artikel erschienen am 22. Jänner 2015
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-01-19 15:05:06
Letzte Änderung am 2017-01-15 22:26:24



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