• vom 23.04.2015, 00:00 Uhr

Museum

Update: 26.04.2015, 20:21 Uhr

Museumsstücke

Ein Wiener Professor als Wohltäter der Studenten




  • Artikel
  • Lesenswert (18)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Johann Werfring

  • Die Universität für Bodenkultur Wien würdigt mit einer Ausstellung das Wirken des Mathematikers, Künstlers und Wohltäters Oskar Simony.

Ansicht des ehemaligen Studentenheims an der Peter-Jordan-Straße (l.) und das Gebäude nach Umbau im Jahr 2015. Es wurde 1960 Oskar-Simony-Haus benannt. Heute sind darin Institute der Universität für Bodenkultur untergebracht. - © Boku-Archiv, J.W.

Ansicht des ehemaligen Studentenheims an der Peter-Jordan-Straße (l.) und das Gebäude nach Umbau im Jahr 2015. Es wurde 1960 Oskar-Simony-Haus benannt. Heute sind darin Institute der Universität für Bodenkultur untergebracht. © Boku-Archiv, J.W.

Nachdem er sich 1875 an der Universität Wien habilitiert und hernach in unterschiedlichen Funktionen an der Hochschule für Bodenkultur – wie die Universität für Bodenkultur Wien (Boku) seinerzeit hieß – gearbeitet hatte, wurde er dort im Jahr 1890 zum Ordentlichen Professor für die Fächer Mathematik, Physik und Mechanik berufen. Als Forscher trat er unter anderem mit einer Theorie der Verschlingungen und mit seinem Lebenswerk "Primzahlenrechnungen für das Successionsgesetz der reellen Primzahlen" hervor.

Information

Oskar Simony
Mathematiker, Forscher, Wohltäter

Foyer der Universitätsbibliothek
für Bodenkultur

1190 Wien, Peter-Jordan-Straße 82
Mo bis Do 8.30–20 Uhr, Fr 8.30–17 Uhr
(24. April bis 15. Mai 2015)
Tel. 01/476 54-2060
www.boku.ac.at/bib


Bereits vor seiner Ernennung zum Professor hatte sich Oskar Simony in besonderer Weise im "Unterstützungsverein für dürftige und würdige Hörer der Hochschule für Bodenkultur Wien" engagiert. Nach dem Bericht des Wiener Botanikers Erich Tschermak-Seysenegg erwies er sich geradezu als "die Seele" dieses Vereins und sammelte unentwegt für ihn. Nachdem im Jahr 1904 an der Peter-Jordan-Straße, unweit der Hochschule für Bodenkultur, das Kaiser-Franz-Josef-Studentenheim gegründet worden war, überließ Simony deren Mensa sogar sein ererbtes Silber.

"Freitische" für unbemittelte Studenten

Infolge seiner Hilfsbereitschaft wurde er von den bedürftigen Boku-Studenten regelrecht "vergöttert", wie Tschermak-Seysenegg anmerkt. "Er unterstützte sie mit Geld, Kleidern Wäsche und Schuhen und ging selbst (...) mit abgetragenen Kleidern und abgetretenen Schuhen durch die Stadt."

Oskar Simony (1852–1915), Professor an der Wiener Hochschule für Bodenkultur.

Oskar Simony (1852–1915), Professor an der Wiener Hochschule für Bodenkultur.© Boku-Archiv Oskar Simony (1852–1915), Professor an der Wiener Hochschule für Bodenkultur.© Boku-Archiv

Nachdem Oskar Simony einen Schlaganfall erlitten und eine rechtsseitige Lähmung davongetragen hatte, stürzte er sich am 6. April 1915 von seiner im zweiten Stock gelegenen Wohnung in den Tod. Bald nach seinem Hinscheiden bildete sich ein Komitee zur Errichtung eines würdigen Grabdenkmals. Von den einlaufenden Spenden verblieb nach Errichtung des Grabdenkmals, das heute auf dem Pötzleinsdorfer Friedhof zu besichtigen ist, ein Überschuss von 1356,56 Kronen, von dessen Zinsen "Freitische" für unbemittelte Studenten bezahlt wurden.

Das ehemalige Studentenheim an der Peter-Jordan-Straße in Wien-Währing wurde im Jahr 1960 zu Ehren des Forschers und Studentenwohltäters Oskar Simony offiziell Oskar-Simony-Haus benannt. Ab 1993 wurde es für Zwecke der Boku adaptiert.

Print-Artikel erschienen am 23. April 2015
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-04-20 19:26:07
Letzte Änderung am 2015-04-26 20:21:25


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. 13. Nummer-eins-Album für Grönemeyer in Deutschland
  2. Elegante Düsternis
  3. Cowboys, die Pailletten lieben
  4. Die stille Größe des Wolfgang Muthspiel
  5. Mensch sein, die Welt umarmen

Werbung




Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher

Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913 "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.

Ignaz Kirchner als "Samiel", 2007, während der Fotoprobe von "Der Freischuetz" in Salzburg.  Das Tutu ist das Spezifikum der Ballerina, die elfengleich über die Bühne schwebt.


Werbung