• vom 07.05.2015, 00:00 Uhr

Museum

Update: 20.03.2017, 21:21 Uhr

Museumsstücke

Reminiszenzen zum Heimlichen Gemach




  • Artikel
  • Lesenswert (12)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Johann Werfring

  • Allerlei Tipps und gedankliche Anregungen zum Thema WC vermittelt eine sehenswerte Ausstellung im Wiener Brennpunkt - Museum der Heizkultur.

Schnitt eines Flachspülers aus den 1930er Jahren (l.) und eine Jugendstiltoilette, Typus New York, um 1900 (M., r.). - © Johann Werfring

Schnitt eines Flachspülers aus den 1930er Jahren (l.) und eine Jugendstiltoilette, Typus New York, um 1900 (M., r.). © Johann Werfring

Im Gründungsjahr der "Wiener Zeitung" (1703) ging man hierzulande nicht aufs Klo, und schon gar nicht aufs WC, wenn man ein menschliches Bedürfnis verspürte, sondern man begab sich in ein "Heimliches Gemach". Bei den Bauern rund um Wien geschahen die "Entladungen" meist unter freiem Himmel hinter dem Haus.

Die mittlerweile kaum noch bekannte Bezeichnung "Heimliches Gemach" ließe sich trefflich auch auf heutige Aborte anwenden, denn die Verrichtungen erfolgen nach wie vor in aller Heimlichkeit. Kaum jemand verliert ein Wort über sie, was freilich den Vorteil hat, dass sich niemand unangenehm berührt oder gar angeekelt fühlen muss. Der Nachteil einer solchen Heimlichtuerei indes liegt klar auf der Hand: Wer in seiner Kindheit im Hinblick auf die leiblichen Verrichtungen mangelhaft oder falsch eingeschult wurde, behält womöglich inkorrekte Verhaltensweisen ein Leben lang bei.

Information

Von wegen stilles Örtchen
Toiletten in Wien

Brennpunkt – Museum der Heizkultur Wien
1120 Wien, Malfattigasse 4
Mo bis Mi 9–12 und 13–16 Uhr, So 10–16 Uhr,
Führungen jeweils 10.30 Uhr und 13.30 Uhr
(Die Ausstellung wurde bis 31. Mai 2016 verlängert)
Geschlossen: Juni bis September
Tel. 01/4000-34100


Nachdem ich die Lebensmitte nun doch schon einigermaßen überschritten habe, kann ich berichten, dass mir bislang bloß zweimal eine Gesprächssituation (unter Männern) untergekommen ist, in welcher über derlei "Heimlichkeiten" geredet wurde. Das eine Mal, es war vor rund zehn Jahren in einer geselligen Runde beim Wein, versteifte sich ein von der Toilette zurückgekommener Philosoph über einen doch bemerkenswerten Zeitraum hinweg auf dieses Thema. Konkret ging es um die Frage, warum in der frühen Kindheit bloß Mädchen (und weshalb nicht auch Knaben) darauf getrimmt werden, nach Verrichtung des sogenannten kleinen Geschäfts ihr Geschlecht abzutupfen, um hygienischer (weil mit unbefleckter Unterwäsche) über den Tag zu kommen. Die nach wie vor hohe Frequentation von Pissoirs in öffentlichen Toiletten zeigt, dass sich in dieser Hinsicht kaum etwas geändert hat.

Ein unökologisches Erfordernis

Das andere Mal bezog sich das Gespräch auf eine sanitäre Veränderung im Elternhause eines Freundes: Dort war nämlich die flachspülende Klomuschel durch eine tiefspülende ersetzt worden. Letztere hat bekanntlich den Nachteil, dass im Falle von gröberen Verrichtungen in unangenehmer Weise Wasser nach oben spritzt. Besagter Freund erklärte mir in diesem Zusammenhang, dass er das Problem gelöst habe, indem er seit jener Umstellung vor seinen Verrichtungen jeweils "ein halbes Kilo Klopapier" in die Tiefspüler-Muschel werfe. Ungeachtet dieses unökologischen Verhaltens muss man zugestehen, dass die Geruchsbeeinträchtigung für nachfolgende "Gemach"-Besucher bei Toiletten mit Tiefspülern geringer ist als im Falle von Ausstattungen mit Flachspülern.

Alles in allem ist es von erheblichem Vorteil, sich in verlangsamter Weise auf die Ausstellung im Wiener Brennpunkt-Museum einzulassen, um die vielfältigen, recht interessant aufbereiteten Aspekte rund ums Thema Klo besser verdauen zu können.

Print-Artikel erschienen am 7. Mai 2015
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-05-04 18:20:06
Letzte ─nderung am 2017-03-20 21:21:15



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. DJ Avicii starb im Oman
  2. Das Luder, das in Harvard spricht
  3. Eine Frage der Spannung
  4. Helene Fischer fand Auftritt der Rapper "beschämend"
  5. Beethoven in der Manege
Meistkommentiert
  1. Forsche Mitteilungen
  2. Ritter der Extreme
  3. Helene Fischer fand Auftritt der Rapper "beschämend"
  4. Eine Frage der Spannung
  5. Beethoven in der Manege

Werbung




Das Siegerfoto mit dem Titel "Venezuela Krise", es zeigt einen 28-jährigen Mann mit brennendem Oberkörper während heftiger Proteste gegen Präsident Nicolas Maduro in Caracas im Mai 2017. 

Romy Schneider wurde am 23. September 1938 als Rosemarie Magdalena Albach in Wien geboren. Die Schauspielerei ist ihr in die Wiege gelegt geworden: Ihre Eltern und sogar ihr Ururgroßvater waren Schauspieler. Ihren Künstlernamen verwendete sie kurz nach ihrer ersten Filmrolle in den 1950ern. August Sander, Putzfrau, 1928

Die Schauspielerin Tiffany Haddish posiert auf dem roten Teppich. Bille August.

Werbung



Werbung