• vom 08.09.2016, 00:00 Uhr

Museum

Update: 11.09.2016, 13:35 Uhr

Museumsstücke

Duftende Werkeln für die kaiserliche Tafel




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Von Johann Werfring

  • Eine sehenswerte Ausstellung im Hofmobiliendepot Möbel Museum Wien zum 100. Todestag Franz Josephs I. widmet sich dem Thema Fest und Alltag.

Speisenbeförderung von der Küche in die Kaiservilla in Bad Ischl. Mit "Werkeln", wie hier dargestellt, wurde jahrhundertelang auf dem langen Weg von der Hofküche zum Speisesaal das Essen warm gehalten. - © Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H./Sascha Rieger

Speisenbeförderung von der Küche in die Kaiservilla in Bad Ischl. Mit "Werkeln", wie hier dargestellt, wurde jahrhundertelang auf dem langen Weg von der Hofküche zum Speisesaal das Essen warm gehalten. © Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H./Sascha Rieger

Die hier abgebildete Autotypie nach einer Zeichnung von Artúr Lajos Halmi (1866–1939) zeigt eine Szene, die im kaiserlichen Umfeld alltäglich zu beobachten gewesen ist. Dargestellt ist die Beförderung der Speisen vom kaiserlichen Küchenhaus in die beträchtlich entfernte Kaiservilla in Bad Ischl. Während im Hintergrund Hoflakaien die mit zwei Henkeln versehenen großen Blechkisten (die sogenannten Werkeln) schleppen, sind im Vordergrund der Chefkoch, der Hoftafel-Inspektor und der Hofwirtschafts-Adjunkt mit der Überprüfung des kaiserlichen Essens beschäftigt. Damit sichergestellt war, dass das Essen stets "unverändert" an die kaiserliche Tafel gelangte, musste der diensthabende Chefkoch die Lakaien von der Küche bis zum Speisesaal begleiten.

Auch in der Wiener Hofburg musste das Essen aus der räumlich einigermaßen entfernten Hofküche mit solchen Werkeln in die kaiserlichen Speisesäle herangebracht werden. In den Bodenwandungen dieser Blechkisten befanden sich glühende Holzkohlen, die für das Warmhalten der Speisen, die oberhalb davon auf einem Rost in Pfannen und Töpfen platziert waren, sorgten.

Information

Franz Joseph: Zum 100. Todestag
des Kaisers 1830–1916

Hofmobiliendepot Möbel Museum Wien
1070 Wien, Andreasgasse 7
Tägl. 10–18 Uhr (bis 27. November 2016)
Tel. 01/524 33 57

Die Anzahl dieser Essenstransportgefäße hängte davon ab, ob es sich um die Bestückung etwa einer Hoftafel oder eines Galadiners handelte. Je nach Erfordernis waren bis zu mehrere Dutzend Werkeln im Einsatz. Speiste der Monarch alleine, was nicht selten der Fall war, so genügten wenige Transportbehältnisse. Häufig nahm Franz Joseph das Mittagessen direkt in seinem Schreibzimmer ein. Wie dessen Leibkammerdiener Eugen Ketterl in seinen Erinnerungen überliefert, stellte er das Essen auf einem Silbertablett direkt auf den Schreibtisch des Kaisers. "Da lagen dann rechts die erledigten, links die unerledigten Akten und in der Mitte stand das Mittagessen."

Wenngleich der Monarch anspruchslos und bescheiden gewesen ist, so musste bei bestimmten, etwa repräsentativen Anlässen auch er den Zwängen der Etikette gehorchen. Andererseits mussten die an der kaiserlichen Tafel dinierenden Gäste ihrerseits mit den Eigenheiten Franz Josephs zurechtkommen. Die vielleicht auffälligste manifestierte sich darin, dass die Menügänge im Rekordtempo serviert wurden und die Tafel rasend schnell wieder aufgehoben wurde.

Print-Artikel erschienen am 8. September 2016
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-09-05 11:26:05
Letzte nderung am 2016-09-11 13:35:21



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