• vom 30.03.2017, 00:00 Uhr

Museum

Update: 30.04.2017, 23:11 Uhr

Museumsstücke

Obsessive Zelebranten des königlichen Spiels




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Von Johann Werfring

  • Aus Anlass des Erscheinens seiner Geschichte des Kaffeehausschachs in Wien präsentiert Michael Ehn einen Ausschnitt seiner musealen Sammlung.

Schachmeister im legendären Café Laudon: Franz Stoppel (l.) gegen Esra Glass, 1970. Das Café Laudon wurde 1985 in ein asiatisches Lokal umfunktioniert.

Schachmeister im legendären Café Laudon: Franz Stoppel (l.) gegen Esra Glass, 1970. Das Café Laudon wurde 1985 in ein asiatisches Lokal umfunktioniert.© Sammlung Ehn Schachmeister im legendären Café Laudon: Franz Stoppel (l.) gegen Esra Glass, 1970. Das Café Laudon wurde 1985 in ein asiatisches Lokal umfunktioniert.© Sammlung Ehn

Am Dienstag, den 11. April wird der Wiener Schriftsteller, Soziologe und Schachhistoriker Michael Ehn im Café Schopenhauer in Wien-Währing seinen herrlichen Band zur Geschichte des königlichen Spiels in der goldenen Ära des Wiener Schachs vorstellen. Zugleich wird er aus seiner umfänglichen Sammlung ausgewählte Fotos zur Geschichte des Kaffeehausschachs von den Anfängen bis zur Gegenwart präsentieren. Diese werden hernach noch bis Ende Mai in einer musealen Vitrine in Ehns Geschäft "Schach und Spiele" in Wien-Mariahilf ausgestellt sein.

Information

Schach und Spiele – Sammlung Ehn
1060 Wien, Gumpendorfer Straße 60
Mo bis Fr 10–13 und 15–18 Uhr
Tel. 01/585 98 35, www.schachundspiele.at

Buchpräsentation und Objektpräsentation am 11. April, 19 Uhr, im Café Schopenhauer, 1180 Wien, Staudgasse 1

Die hier abgebildete Fotografie aus dem Jahr 1970 zeigt die beiden Schachmeister Franz Stoppel und Esra Glass beim Spiel im Café Laudon in der Wiener Josefstadt. Gemeinsam mit dem Café Museum am Karlsplatz zählte "das Laudon" damals zu den herausragenden Adressen im Wiener Spielgeschehen. Es war zu jener Zeit noch eine Selbstverständlichkeit gewesen, dass sich die Spieler – selbst wenn sie kaum über Geld verfügten – mit Anzug und Krawatte im Kaffeehaus einfanden. Selbiges galt für die zahlreichen "Kiebitze", wie die Zuschauer in der Szene genannt wurden. Durch solche Inszenierung generierten Spieler in den Schachzimmern von Kaffeehäusern anno dazumal eine geradezu feierliche Aura. Bei dem hier selbstversunken der Partie beiwohnenden ergrauten Herrn neben dem Schachmeister Franz Stoppel handelt es sich übrigens um den bedeutenden Schriftsteller und Schachspieler Franz Karl Franchy, dessen Stücke unter anderem im Wiener Burgtheater aufgeführt wurden.

Michael Ehn: Geniales Schach im Wiener Kaffeehaus 1750–1918, Edition Steinbauer, Hardcover, 352 Seiten, 41 Abbildungen, Preis: 29 Euro.

Michael Ehn: Geniales Schach im Wiener Kaffeehaus 1750–1918, Edition Steinbauer, Hardcover, 352 Seiten, 41 Abbildungen, Preis: 29 Euro. Michael Ehn: Geniales Schach im Wiener Kaffeehaus 1750–1918, Edition Steinbauer, Hardcover, 352 Seiten, 41 Abbildungen, Preis: 29 Euro.

Eine Anekdote aus dem Café Laudon

Nicht immer ging es bei einzelnen Partien feierlich zu. Michael Ehn, der die Szene der 1970er Jahre noch aus eigener Wahrnehmung kennt, weiß über die abgebildeten Kontrahenten zu berichten, dass diese geradezu "Erzfeinde" waren. Stoppel, ein eher trockener Spieler, der seinen Vorteil nicht im kreativen Mittelspiel, sondern im mathematischen Endspiel suchte, galt als nüchterner Charakter. Glass indes war für seine Provokationen bekannt.

Als die beiden einmal im Café Laudon eine Partie ausfochten (selbstverständlich wurde dabei immer um Geld gespielt), stellte Stoppel mitten in der Partie fest, dass die Stellung auf seinen sicheren Sieg hindeute. Glass wiederum stichelte und tat kund, dass genau das Gegenteil der Fall sei, woraufhin Stoppel erklärte: "Wenn Sie diese Partie noch gewinnen, esse ich eine Banane mitsamt der Schale!" Tatsächlich neigte sich das Pendel zu Glassens Gunsten, der die Partie für sich entschied. Bedächtig holte dieser aus seiner Tasche eine Banane hervor und triumphierte mit den Worten: "Da, friss!" Stoppel hielt Wort . . .


Print-Artikel erschienen am 30. März 2017
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-03-27 15:54:07
Letzte Änderung am 2017-04-30 23:11:37


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