• vom 04.05.2017, 00:00 Uhr

Museum


Museumsstücke

Kindliche Blicke auf den Ersten Weltkrieg




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Von Johann Werfring

  • Eine spannende Sonderausstellung im Waldviertel thematisiert facettenreich den Alltag an der Front und in der Heimat zur Zeit des Ersten Weltkriegs.

Soldaten-Ausmalbild für Schüler aus der Zeit des Ersten Weltkriegs (l.); Schülerzeichnung aus der Volksschule Altpölla (r.). - © Sammlung Polleroß

Soldaten-Ausmalbild für Schüler aus der Zeit des Ersten Weltkriegs (l.); Schülerzeichnung aus der Volksschule Altpölla (r.). © Sammlung Polleroß

Eine Wanderausstellung des Heeresgeschichtlichen Museums Wien ist derzeit im Ersten österreichischen Museum für Alltagsgeschichte in Neupölla zu sehen. Friedrich Polleroß, in Wien lebender Kulturhistoriker, der das Museum 1997 in seinem Waldviertler Heimatort gegründet hat, erweiterte die Ausstellung mit originalen Objekten zur regionalen Geschichte aus dem Besitz des Museums, aus der Sammlung Polleroß sowie aus weiteren Privatsammlungen. Auf diese Weise ist konkret nachvollziehbar, wie sich der große Krieg auf das Alltagsleben in Neupölla und in den umliegenden Gemeinden auswirkte.

Information

Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg
Erstes österreichisches Museum für
Alltagsgeschichte

3593 Neupölla 10 (NÖ)
1. Mai bis 15. August 2017, jeweils
Sonn- und Feiertage 14–17 Uhr
Tel. 02988/6220

Für die erste Phase des Kriegs belegt eine Reihe von Objekten die auch im ländlichen Gebiet aufgekommene Euphorie. Eine Postkarte, darstellend den österreichischen Kaiser Franz Joseph I. unter dem Schutzmantel der Mutter Gottes, suggerierte dessen Unverletzlichkeit sowie die Siegesgewissheit der Österreicher. Mit derartigen Objekten wird im Museum recht drastisch der Hurrapatriotismus der Jahre 1914 und 1915 vor Augen geführt.

Dass der Patriotismus auch in der Schule gelebter Alltag gewesen ist, illustrieren mehrere Bilder aus Zeichenheften der Volksschule Altpölla. Siegesgewiss schreitet etwa der hier abgebildete österreichische Soldat an der Seite seines preußischen Kriegerkollegen einher. In diesem Fall handelt es sich um eine vorgefertigte Darstellung, welche die Kinder in der Schule bloß abzupausen und auszumalen brauchten.

Studioaufnahme von einem Soldaten mit seiner Waldviertler Familie, ca. 1915.

Studioaufnahme von einem Soldaten mit seiner Waldviertler Familie, ca. 1915.© Sammlung Polleroß Studioaufnahme von einem Soldaten mit seiner Waldviertler Familie, ca. 1915.© Sammlung Polleroß

Die hier als Ausschnitt abgebildete Kinderzeichnung hingegen wurde von der Schülerin nach Anleitung des Lehrers eigenständig kreiert. Ebenso wie im Zeichenunterricht wurde der Krieg auch in anderen Unterrichtsgegenständen gerne und häufig thematisiert. Beispielsweise sind in einem in der Ausstellung gezeigten Schönschreibheft die folgenden Sätze zu lesen: "König Konstantin von Griechenland wird von England und der Entente hart bedrängt. Italien kämpft schon fast ein Jahr ohne Erfolg am Isonzo." Um die Übung zu vertiefen – und um das Bewusstsein der Kinder für das Thema entsprechend zu beeinflussen – mussten diese Sätze gleich mehrfach hintereinander niedergeschrieben werden.

Die hier abgebildete Studioaufnahme eines Soldaten mit Frau und Kind zeigt eine typische Situation zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Auch wenn man sich in Friedenszeiten eine für damalige Verhältnisse recht kostspielige Fotografie nicht geleistet hätte: Im Krieg kratzte man das wenige verfügbare Geld dafür zusammen. Immerhin konnte es ja das letzte (und einzige) Foto der kompletten Familie gewesen sein . . .

Print-Artikel erschienen am 4. Mai 2017
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-04-28 13:42:16
Letzte Änderung am 2017-04-30 23:50:13


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