• vom 06.04.2018, 15:59 Uhr

Museum

Update: 06.04.2018, 16:18 Uhr

Ausstellung

Schätze, Kreuze und alte Socken




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Von Bernhard Baumgartner

  • "Byzanz": Die Schallaburg lockt heuer mit ihrer bislang wertvollsten Ausstellung.

Tausend Jahre Byzanz. - © Schallaburg/Klaus Pichler

Tausend Jahre Byzanz. © Schallaburg/Klaus Pichler

Melk. Das Mittelmeer als Begenungsfläche der Kulturen - Ost und West, Nord und Süd. Als Konfliktzone, aber auch Handelsweg, als Kriegsschauplatz und Ort des Zusammenwachsens. Wohl nicht zufällig hat die Schallaburg in der aktuellen Ausstellung "Byzanz & der Westen" nach dem Islam-Schwerpunkt des letzten Jahres wieder ein Thema gewählt, das auch eine gewisse Aktualität im öffentlichen Diskurs hat. Und doch ist die Ausstellung ein gutes Stück weit konventioneller geraten als die der Vorjahre.

Bunt und Hands-on sind heuer kein Thema, dafür ist das Inventar, das man zur Illustration von tausend Jahren Geschichte zusammengetragen hat, zu wertvoll. Münzen aus dem Mittelalter, originale Texte aus dem 11. Jahrhundert, Ikonen, Reliquien, Kunstwerke. Es ist die wertvollste Ausstellung auf der Schallaburg der letzten Zeit. Denn hier wurden nichts weniger als Schätze der Vergangenheit - und zwar durchaus im Wortsinn zu verstehen - zusammengetragen. So kann man etwa einen wahren Goldschatz von 300 Dinaren aus dem ersten Kreuzzug (1099) bestaunen.

Information

Ausstellung

Byzanz & der Westen -
1000 vergessene Jahre

Schallaburg

bis 11. November 2018

Der Überbau ist einfach erklärt: Tausend Jahre Byzanz starten bei der Teilung des Römischen Reichs im Jahr 395 in einen lateinischen Westen und einen griechischen Osten. Um 800 krönt der Papst Karl den Großen zum Kaiser. Der Westen hat wieder einen Kaiser und der dehnt sein Reich gewaltig Richtung Osten aus. Weiter geht es in die Zeit der Kreuzfahrer, die Eroberung Jerusalems und der Plünderung Konstantinopels 1204 bis hin zur Eroberung der Supermacht durch die Osmanen 1453. Die Ausstellung nimmt sich die Sache chronologisch vor. Man startet im 4. Jahrhundert und endet im Mittelalter. Drei sogenannte Übergangsräume mit Installationen sollen zum Nachdenken anregen, etwa ein Spiegelkabinett oder ein Raum voller Schubladen, in die wir die Dinge stecken, um sie rasch einzuordnen.

Tausend Jahre Byzanz, das ist auch eine Geschichte des zunehmenden Missverstehens. Verschiedene Sprachen, verschiedene Kulturen führen zu Argwohn und Missgunst. Wer hat das Sagen? Wer entscheidet weltliche und geistliche Dinge? Nicht nur die Kirche spaltet sich an Fragen der Macht in Ost und West - eine Teilung, die auch heute noch ihre Spuren hinterlassen hat.

Seide für die hohen Herren

Wer sich für Münzen aus Ost und West interessiert, der wird in der Ausstellung gut bedient. Seide, Gold und Elfenbein - nur die prächtigsten Materialen waren den hohen Herren gut genug, um ihre Pracht zu zeigen. Als eines der kuriosesten Stücke mögen die Seidenstrümpfe von Papst Clemens II. aus 1047 dienen, die man aus seinem Grab im Bamberger Dom geborgen hat. Aber auch der Schädel eines Heiligen aus dem Stephansdom in Wien samt einem Original-Vertrag zwischen Wien und Konstantinopel über den Kauf von 50 angeblich hochwertigen Reliquien darf als kurioser Höhepunkt dienen. Lange Zeit war es im Westen "schick", eine Ehefrau aus dem griechischen Teil zu haben. So lange, bis man in Byzanz genug davon hatte, die schönen Töchter zu Prestigezwecken über das Mittelmeer in den Westen zu verschiffen.

Die Ausstellung wurde vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz (RGZM) in Zusammenarbeit mit der Abteilung Byzanzforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie dem Institut für Byzantinistik und Neogräzistik der Universität Wien konzipiert. Die beiden wissenschaftlichen Leiter Falko Daim und Dominik Heher haben bereits 2012 "Das Goldene Byzanz & der Orient" auf der Schallaburg kuratiert.





Schlagwörter

Ausstellung, Schallaburg

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-06 16:04:17
Letzte Änderung am 2018-04-06 16:18:25


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