• vom 10.04.2018, 16:53 Uhr

Museum

Update: 10.04.2018, 17:13 Uhr

Ausstellung

Ein Leben für Jerusalem




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Von Edwin Baumgartner

  • Das Jüdische Museum erinnert an den Jerusalemer Bürgermeister Teddy Kollek, der starke Verbindungen zu Wien hatte.

Persönliche Freunde (v. l. n. r.): Helmut Zilk, Dagmar Koller und Teddy Kollek

Persönliche Freunde (v. l. n. r.): Helmut Zilk, Dagmar Koller und Teddy Kollek© Jerusalem Foundation Persönliche Freunde (v. l. n. r.): Helmut Zilk, Dagmar Koller und Teddy Kollek© Jerusalem Foundation

An der Decke hängt ein Boot. Es symbolisiert die erste der vielen nachfolgenden Spendensammlungen, die dem Jerusalemer Bürgermeister Teddy Kollek den Spitznamen "Kollekte" eingetragen haben. Teddy Kollek war schon zu Lebzeiten eine Legende. Nach seinem Tod 2007 bleibt die Erinnerung an ihn unverblasst. Die durch ihn und den nicht minder legendären Wiener Bürgermeister Helmut Zilk gebildete Achse zwischen den beiden Hauptstädten besteht nach wie vor. Eines der schönsten Wahrzeichen dafür ist das Jüdische Museum, das Teddy Kollek jetzt auf kleinem Raum groß feiert mit Objekten aus dem Familienbesitz, mit Fotos und, am eindrucksvollsten, mit Tondokumenten und Filmaufnahmen.

Wie es bei Legenden so kommt: Nicht alles, was geschrieben steht, ist wahr. Zum Beispiel der aus Wien stammende Teddy Kollek. In Wahrheit wurde er 1911 im ungarischen Nagyvászony geboren. Allerdings kam seine Familie aus Wien und kehrte 1918 dorthin zurück. Teddy Kollek war Zionist und siedelte mit seiner Frau Tamar 1934 in das damalige Palästina, das spätere Israel, um. Das Wien seiner Jugend nahm Teddy Kollek im Geist mit.

Information

Ausstellung
Teddy Kollek - Der Wiener Bürgermeister von Jerusalem
Jüdisches Museum Dorotheergasse
Bis 5. November

Spenden für Jerusalem

Die Schau zeichnet Teddy Kolleks Karriere nach: 1965 bewirbt er sich erfolgreich um das Amt des Bürgermeisters von Jerusalem. Als solcher entwickelt er eine Stadt, die den Modellen des Wien seiner Jugend folgt: Als Erstes lässt er die im Sechstagekrieg verursachten Zerstörungen beheben und die historische Substanz der Stadt renovieren. In aller Welt sammelt Kollek Spenden, mit denen, verwaltet von der von ihm gegründeten "Jerusalem Foundation", soziale Strukturen aufgebaut und Kulturinstitutionen ins Leben gerufen werden. Wien mit seinen Parkanlagen, seinen Museen und seiner Konzentration auf eine Jahrhunderte alte Kultur bleibt dabei Teddy Kolleks Vorbild. Mit dem Notizblock geht er durch "seine" Stadt und schreibt auf, was zu verbessern ist. Er macht aus Jerusalem eine moderne Metropole, die das Neue fest in der Tradition verankert.

Auch Künstler holt Teddy Kollek nach Jerusalem. Die Ausstellung dokumentiert den Besuch Oskar Kokoschkas, der etwa die israelische Ministerpräsidentin Golda Meir porträtiert. In den schwierigen Jahren der Bundespräsidentschaft Kurt Waldheims bemüht sich vor allem Helmut Zilk um Teddy Kollek. Daraus erwächst eine persönliche Freundschaft, die das Eis zwischen den beiden Hauptstädten allmählich schmelzen lässt. So ist es Teddy Kollek, der am 18. November 1993 in seiner alten Heimatstadt das Jüdische Museum eröffnet.

Keine Entscheidung ohne Tamar

Eine Schau über Teddy Kollek wäre unvollständig, würde sie nicht seiner Frau Tamar gedenken, die er seinerzeit in Wien, als sie noch Anna Helene Schwarz hieß, in der zionistischen Jugendbewegung "Blau-Weiß" kennengelernt hatte. Tamar entstammte der Rabbinerfamilie Schwarz. Ihr Vater Zacharias wurde beim Novemberpogrom so schwer misshandelt, dass er an den Verletzungen starb. Die Ehe von Tamar und Teddy Kollek zeichnet das Bild der starken Frau hinter dem erfolgreichen Mann - was ein Klischee sein mag, doch hier trifft es zu. Teddy Kollek bespricht alle wesentlichen Entscheidungen mit Tamar, die sich ihrerseits im Hintergrund hält.

Bis 1992 ist Teddy Kollek Bürgermeister von Jerusalem. 2007 stirbt Teddy Kollek im Alter von 96 Jahren in Jerusalem. 2013 stirbt Tamar Kollek in Jerusalem - auch sie war 96 Jahre alt.

Das große Plus der Ausstellung ist, dass sie unaufdringlich die Verbindungslinien zwischen Jerusalem und Wien nachzeichnet. Dass sich das Jüdische Museum dabei, quasi nebenbei, selbst ein wenig feiert, ist nur legitim.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-10 17:00:08
Letzte Änderung am 2018-04-10 17:13:37


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