• vom 11.04.2018, 07:41 Uhr

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Update: 11.04.2018, 13:46 Uhr

Museen

Max Hollein wird Direktor des Metropolitan Museum




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Von WZ Online, APA, dpa, AFP

  • Der gebürtige Wiener wechselt im Sommer von San Francisco nach New York.

 Max Hollein vor "Das Leben Christi".

 Max Hollein vor "Das Leben Christi".© AFP / DPA / ARNE DEDERT  Max Hollein vor "Das Leben Christi".© AFP / DPA / ARNE DEDERT

San Francisco. Den Sprung über den großen Teich hat er schon vor zwei Jahren gewagt, nun setzt Max Hollein zum Küstenwechsel an: Der Wiener Museumsmanager, der seit 2016 dem Fine Arts Museum in San Francisco vorsteht, wird ab Sommer das renommierte Metropolitan Museum in New York leiten. Es ist der nächste Schritt auf der Karriereleiter für den 48-Jährigen, dessen Vita sich höchst beeindruckend liest.

Vom Guggenheim ins Met

Geboren wurde der Sohn des Architekten Hans Hollein am 7. Juli 1969 in Wien. Nachdem er in seiner Heimatstadt Betriebswirtschaft und Kunstgeschichte studierte, zog es ihn bereits ein erstes Mal in den Big Apple, wurde er doch Projektleiter für Ausstellungen am Solomon R. Guggenheim Museum in New York. Später war Hollein unter anderem für den Aufbau der Ausstellungshallen Deutsche Guggenheim Berlin und Guggenheim Las Vegas sowie die Eröffnungsaktivitäten des Guggenheim Museum in Bilbao verantwortlich.

Nachdem er 2000 den amerikanischen Pavillon bei der Architekturbiennale in Venedig kuratierte, übernahm Hollein im Folgejahr sein erstes großes Haus: Er kam an die Spitze der Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2006 erweiterten die Direktion des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung seinen Aufgabenbereich. Die Kunstmuseen machten unter seiner Führung immer wieder mit spektakulären Ausstellungen von sich reden, etwa zu Raffael, Dürer oder Monet. Das Städel wurde saniert und mit einem Neubau erweitert - ein guter Teil der Kosten konnte über Sponsoren und Spenden aufgebracht werden.

Kurator etlicher Ausstellungen

Neben seiner erfolgreichen Kulturmanagement-Tätigkeit kuratierte Hollein in dieser Zeit auch selbst etliche Ausstellungen, etwa über Jonathan Meese und Julian Schnabel oder die Themenschau "Shopping". Seinen Abgang bedauerte man in Frankfurt auch angesichts Rekordbesucherzahlen naturgemäß: Hollein sei einer der "erfolgreichsten und visionärsten Direktoren" gewesen und habe die Häuser "in völlig neue Dimensionen geführt". Aber schließlich reizte ihn ein "neues Abenteuer", wie Hollein seine Tätigkeit in San Francisco in einem APA-Interview beschrieb.

Mit 1. Juni 2016 übernahm er das Fine Arts Museum an der Westküsten-Metropole, wo er nach eigenen Angaben "einen der interessantesten Kristallisationspunkte der kulturellen Vielfalt und der wirtschaftlichen Dynamik" fand. Unter seiner Leitung wurde Ausstellungen zum "Summer of Love" oder Edgar Degas realisiert, aber auch seine österreichischen Wurzeln bediente Hollein. So brachte er mit Kurator Tobias Natter die erste große Klimt-Schau nach San Francisco, wobei das Duo den großen Wiener Künstler mit Rodin in Beziehung setzte.

Seine Tätigkeit für das Fine Arts Museum definierte er aber auch als "Managementaufgabe", seien die unter diesem Dach vereinten Museen doch mehrere Jahre ohne Führung gewesen. "Aber ich bin auch angetreten mit der Ansage, dass wir das Programm von Grund auf erneuern und deutlich ambitionierter machen", betonte Hollein im Herbst des Vorjahres. "Die Leute merken, dass das große Flaggschiff jetzt stark Segel setzt", verwies er auf neuerliche Besucherrekorde unter seiner Führung sowie teils intensiv diskutierte Interventionen von u.a. Sarah Lucas und Urs Fischer.

Nun stehen für Hollein, der 2005 Kommissär des Österreich-Pavillons der Biennale di Venezia war sowie anlässlich des Mozart-Jahres 2006 das Salzburger Avantgardefestivals "kontra.com" verantwortete, neue Aufgaben an: Immerhin gehört das 1870 gegründete Metropolitan Museum, kurz Met genannt, zu den bekanntesten Häusern weltweit und umspannt mit seinen Sammlungen mehr als 5.000 Jahre Kunst- und Kulturgeschichte. Das jährliche Budget liegt bei mehr als 300 Mio. Dollar, insgesamt beschäftigt das Met rund 2.200 Mitarbeiter und zeigt an seinen drei Standorten etwa 60 Sonderausstellungen pro Jahr. Zuletzt verzeichnete man mit rund sieben Mio. Besuchern einen Rekord.

Das Haus machte im Vorjahr aber auch negative Schlagzeilen: Ein hoher Schuldenstand sowie die Absage eines geplanten Anbaus sorgten für Kritik. Im Sommer 2017 legte der Brite Thomas Campbell schließlich den Direktionsposten zurück. Auf Hollein kommt also einiges an Arbeit zu. "Es ist eine außerordentliche Möglichkeit und eine solche Chance, nicht nur persönlich, sondern auch in Bezug auf die Entwicklung von Museen, gerade in diesem bedeutenden Museum arbeiten zu können", erklärte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur anlässlich seiner Ernennung.

Über Inhaltliches wolle er allerdings noch nicht sprechen. "Ich beginne im August in New York. Bis dahin mache ich auf keinen Fall irgendwelche Ankündigungen", so Hollein, der 2010 mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet wurde. Am Kurs, das Thema "Diversity" weiterhin in Ausstellungen zu integrieren, wolle er aber festhalten. "Das ist etwas, was gerade enzyklopädische Museen in Zukunft noch viel mehr begleiten wird. In diesem Kontext wird die Met - als die herausragende enzyklopädische Museumsinstitution - weiter große Zeichen setzen."





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-11 07:43:15
Letzte Änderung am 2018-04-11 13:46:51


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