• vom 26.06.2018, 16:06 Uhr

Museum

Update: 26.06.2018, 16:26 Uhr

Ausstellung

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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Im MAK sind wieder die Sieger des Wettbewerbs um die "100 besten Plakate" zu sehen.

Die besten Plakate: Mit einer Smartphone-App wird so manches Plakat sogar lebendig.

Die besten Plakate: Mit einer Smartphone-App wird so manches Plakat sogar lebendig.© MAK/Georg Mayer Die besten Plakate: Mit einer Smartphone-App wird so manches Plakat sogar lebendig.© MAK/Georg Mayer

Es ist kein neuer Trend seit dem letzten Jahr abzulesen bei den Siegerplakaten des alljährlichen Wettbewerbs um die 100 besten Plakate in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Wie immer seit 2006 im MAK sind es überwiegend Schweizer Grafikstudios (399 Einreichungen und 50 Ausgewählte) und solche aus Deutschland (191 Einreichungen und 45 Ausgewählte). Von den 67 österreichischen Einreichungen sind am Schluss gerade einmal vier geblieben. Das ist nur geringfügig mehr als in den letzten Jahren und der Vorsitzende der Jury wie auch die Mitglieder wollen noch mehr Werbung hierzulande dafür machen.

Die Schau im MAK ist vorgezogen - wegen Stefan Sagmeisters neuer Show für mehrere Ebenen des Museums im Herbst - und sie findet im MAK Design-Labor im Keller statt. Ein weiterer Unterschied: Mit Unterstützung einer App lässt sich am Smartphone aus einigen Plakaten eine bewegte Variante aufrufen, auch mit den Abbildungen im noch einmal kleiner und leichter gewordenen Katalog ist dies möglich. Diese Hintergrundinformationen lassen zu, dass Ornamente oder Schrift im Kurzanimationsfilm die Kompositionen aufbauen; allerdings auch nicht viel mehr. Auch ein Fokussieren mit der Kamera macht das "bewegte Plakat" möglich.

Information

Ausstellung
100 beste Plakate 17
Peter Klinger (Kurator)
MAK Design Labor
bis 23. September

Gut gestaltet

Erfunden wurde der Plakatwettbewerb in der ehemaligen DDR 1966, seit dem Jahr 1980 heißt er "100 beste Plakate" und es ist ein Wunder, dass dieses grafische Erbe bis heute in veränderter Form internationalisierter erhalten blieb. Blickt man auf die Werbeplakate im Stadtraum, sind allerdings wenig von den Auserwählten und auch ihren formalen Tendenzen zu sehen - meist handelt es sich um renommierte Grafikstudios, die hier einreichen, und die gute Gestaltung ist oft schwerer lesbar als die Massenware.

Für die Jury aus Kommunikationsdesignern, Plakatkünstlern und Grafikdesignern aus Düsseldorf, Prag, Bern, Wien und Berlin ist nach Vorauswahl von etwa 1100 aus 2293 Einreichungen bei der letzten optischen Entscheidungsschlacht wichtig, dass Fragen der Grafik und Typografie, auch der Fernwirkung stimmen, weniger entscheidend ist dabei die Größe des Plakats oder ob die Illustration mehr überzeugt als die lesbare Message oder umgekehrt. Für FM4, den Jugendkultursender des ORF, gestaltete LWZ, das in Wien ansässige Design- und Animationskollektiv eine Plakatserie, die beide Anforderungen erfüllt, das kann man auch vom Designstudio Beton sagen, die für das Performing Arts Festival in Salzburg tätig waren. Das Studio Es schaffte es gleich mit zwei Plakaten in die Siegerauswahl, eines für die Grazer Diagonale und das zweite für das Vienna Humanities Festival.

Retromotive und Wortspiele

Stefan Sagmeisters Schau "The Happy Show" wurde kongenial vom Schweizer Erich Brechbühl unterstützt - er nahm die Luftballonwürste und formte sie zur sonnengelb untermalten Schriftblase. Aber auch einige Retromotive lassen sich finden sowie humorvolle Botschaften, Wortspiele, Auslassungen oder andere unkonventionelle Kombinationen von Fotografie und Schrift.

Künstliche Menschen und futuristische Geometrien kommen teils auch von Kunststudenten, vor allem sind dies Beispiele für Diplom- oder Jahreseinblicke der Kunstuniversitäten. Theater lieben Decollage und poppige Abstraktionen, Comics und Einbezug von Spray-Gaffitis, das bildet fast einen historischen Bogen seit den 1960er Jahren. Den renommierten Auftrag der Segelveranstaltung "Kieler Woche" gewann der Heidelberger Grafiker Götz Gramlich mit einem klassischen Entwurf in Blau/Weiß und Umrissformen, die an Kiele oder Schwerter erinnern.

Für das Design von Katalog, Plakat und Drucksorten für das MAK zeichnen zwei bereits geübte Studierende des zuständigen Instituts für Plakat- oder Web-Design der an Ideen reichen "Angewandten". Bleibt zu hoffen, dass der Wettbewerb 2018 noch mehr Beiträge im Ausgleich zu Deutschland und der Schweiz erwarten lässt.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-26 16:13:37
Letzte Änderung am 2018-06-26 16:26:46


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