Im Jahr 2012 feierte die australische Band Dead Can Dance nach 16-jähriger Veröffentlichungspause ihre Auferstehung mit dem auf Griechisch genau nach dieser betitelten Comebackalbum "Anastasis", tauchte im Anschluss aber gleich wieder ab. Weitere sechs Jahre mussten für den Nachfolger vergehen, der die Wiederkehr in erstaunlicher Nähe zu den Vorgaben des Popsongs nun gegen ein selbsttituliertes Oratorium in zwei Akten austauscht, dem Kernsound des Duos aber verpflichtet bleibt.

Brendan Perry und Lisa Gerrard stehen seit ihren Anfängen Mitte der 80er Jahre im Umfeld des 4AD-Labels für eine Gothic-Spielart, mit der sich unter kräftiger Beigabe weltmusikalischer und neoklassischer Elemente im Zeichen einer esoterisch aufgeladenen Sinnsuche der New-Age-Weg zur Erleuchtung gut einschlagen lässt.

"Dionysus", das nun mit fließenden Übergangen, langen Instrumentalstrecken und teils in vielleicht fremden Zungen, jedenfalls beschwörend-melismatisch mit Fantasiesprache dem gleichnamigen Gott des Weines, der Freude, Trauben, Fruchtbarkeit, des Wahnsinns und der Ekstase huldigt, bezieht sich dabei auf die folkloristische Tradition des Erntedanks und die Orgien der Bacchanalien ebenso, wie Brendan Perry die Naturverbundenheit seiner selbst und des Themengegenstandes mit Field Recordings und einer Vögel imitierenden slowakischen Schäferflöte hervorstreicht.

Das klingt zwischen nah- und fernöstlicher Harmonik, perkussionistischen Rhythmen aus dem arabischen Raum, wahlweise Bilder von den letzten Urlauben in Griechenland oder der Türkei vor das geistige Auge zaubernden Streichermotiven und dem gewissen Orgien-Mysterien-Gefühl entsprechend sinnlich und spirituell. Auch ohne Songtexte klappert die dem Album zugrunde liegende Storyline zahlreiche Teilaspekte des Dionysoskultes ab.

Es geht nicht zuletzt um die Berauschung durch Wein und Drogen auf Festen mit Frauen - sowie um das wilde Treiben, das sich bei uns alten Griechen daraus ergibt. Muss ja! Denn im echten Leben wie auf dem Album "Dionysus" lauert am Ende der Tod.