Kein Liebhaber seiner eigenen Stimme: Dan Mangan. - © Vanessa Heins
Kein Liebhaber seiner eigenen Stimme: Dan Mangan. - © Vanessa Heins

Man kennt das noch aus den antiken, technologisch jedenfalls steinzeitlich anmutenden Zeiten, als man mittels Cassettenrecorder (für Junge: schaut mal bei Google nach, was das war!) erstmals mit seiner eigenen Stimme konfrontiert wurde. Man nahm sie auf einer Cassette mittels im Recorder eingebauter Mikros auf - und spielte sie dann (so sich das Band nicht blöd im Gerät verfing) sich selbst vor. Und man war verblüfft. Was, das soll meine Stimme sein!? Aber ja, alle nickten einträchtig, so klingst du! Nur man selbst empfand das nicht so - und mochte diese fremde Stimme gar nicht.

Zu laut und knurrig

Dass es Sängern auch so ergehen kann, verwundert einen dann aber doch. Vor allem bei Dan Mangan, jenem Sänger und Gitarristen aus Vancouver, den man gerade wegen seiner kräftigen Stimme schon immer mochte. Er selbst hingegen konnte ihr bisher wenig abgewinnen: "I felt that my voice war a hurdle", verriet er dem Magazin "Gigwise". Für ihn hörte sie sich "really growly" (knurrig!) an, was er vor allem darauf zurückführt, dass er stets zu laut - und zu oft über eine Band hinweg - sang.

Nun, auf Album Nummer fünf, "More Or Less", ist alles anders: "Almost all of this record, I was singing very quietly into a beautiful U47 microphone, so in a way it is crooning. It’s me exercising a new angle in my voice."

Schön, wenn er selbst zufrieden ist, wir waren es, wie gesagt, auch schon bisher - und sind es im aktuellen Fall wieder besonders, denn die zehn Songs nehmen auf eine spezielle Weise ein und gefangen, indem sie nämlich alle sehr verschieden sind. Durchgängig ist nur der tatsächlich betont charaktervolle stimmliche Vortrag, eingebettet in variable musikalische Umfelder und Texturen.

Mangan, dessen Debütalbum 2010 erschien (für sein zweites, "Oh Fortune", erhielt er 2012 zwei Juno Awards), sieht den behutsameren Umgang mit der eigenen Stimme auch als ein Ergebnis des Älterwerdens. Dieses, auch in der Rolle als zweifacher Vater (vor drei Jahren kam sein zweiter Sohn zur Welt), reflektiert der 35-Jährige auf "More Or Less" ausführlich - all die Hoffnungen und Ängste, die damit verbunden sind. Vor allem Letztere, wie der zentrale Song "Just Fear" eindringlich zeigt, der sich mit der Frage beschäftigt, wie tief - jetzt mehr globalatmosphärisch und weltpolitisch als privat betrachtet - es bergab gehen muss, bevor es wieder aufwärts geht.

In "Peaks & Valleys" ist dieses Auf & Ab schon programmatisch im Titel eingefangen: Unter Stimme und Gitarre mischen sich dabei seltsame elektronische Gluckslaute und kieksende Flöten, die eine latent bedrohliche Atmosphäre schaffen, letztlich aber in geschmackvoll dezenter Weise austariert werden. (In die beiden Songs "Can’t Not" und "Never Quiet" werden noch allerlei andere, neben der Haupt-Spur laufende Nebengeräusche und Gegensounds feinsinnig und virtuos integriert.)

Krank im Sommer

Auch im Sommer krank werden zu können, von dieser nicht nur dem Alter geschuldeten, sondern - speziell für Männer - allgemein sehr persönlich genommenen narzisstischen Kränkung, handelt "Cold In The Summer", ein zwar langsamer, trotzdem mitreißender Song, der sich schnell viral ausbreitet - und den man so schnell nicht mehr loswird.

Gefolgt von "Troubled Mind", dem flottesten Stück der Platte, das am ehesten nach dem Vorgängeralbum, "Club Meds" (2015), klingt, das - gemeinsam mit der Band Blacksmith eingespielt - wegen seiner wuchtigen, mitunter düsteren Sounds zwar Kritikerlob einfuhr (ja ja!), aber doch erheblich hinter dem (Verkaufs-)Erfolg von "Oh Fortune" zurückblieb.

"More Or Less" ist diesbezüglich verträglicher - oder in Mangans Worten: "More direct. Less Metaphor. More discovery. Less youth. More warmth. Less chaos".

Auf der aktuellen Tour, die ihn zuerst als Support für Stars und Kaleo durch Kanada und anschließend für Snow Patrol durch die Staaten führte, teilt sich Mangan nun in Europa - als quasi Co-Headliner - die Begleitband mit Label-Kollegin Laura Gibson. Und so ist es auch in Wien.

Dan Mangan tritt am Donnerstag, 22. 11., beim Blue Bird auf.