Ein traurig-zartbitterer Ennui zieht sich durch die zehn Songs des fünften Studioalbums der amerikanischen Singer-Songwriterin Laura Gibson. Einige der Stücke auf "Goners" handeln vom (allzu frühen) Verlust ihres Vaters, andere von Trennungen und Abschieden in Liebes- und Beziehungsgeschichten.

Gibson thematisiert den Verlustschmerz und die Verletzlichkeit beim Abschiednehmen ebenso wie das behutsam-tastende Weitermachen der Betroffenen. Musikalisch tut sie das mit tiefer Emotionalität, großer Intensität und einer den Themen geschuldeten melancholischen Schwere - wobei die dunkel grundierten Songs jedoch durchgehend anmutig und zuversichtlich schimmern und leuchten. Laura Gibson vereint Eleganz und Düsternis wie wenige; die Brillanz ihres Songwritings konveniert ganz prächtig mit ihrer sorgfältig arrangierten und vielfältig instrumentierten Musik.

Fein austarierte Blech- und Holzbläsersequenzen treffen auf klug eingesetzte Streichersätze, zurückhaltende Gitarrenläufe auf Piano- und Wurlitzerklänge. Dave Depper (Death Cab For Cutie), der Schlagzeuger Daniel Hunt, Nate Query von den Decemberists am Kontrabass und Bläser Kelly Pratt, der auch schon Alben von Arcade Fire und Father John Misty veredelte, greifen Laura Gibson musikalisch unter die Arme.

Im wahrsten Wortsinn fabelhafte Geschichten - Tiere, Geister, Fabelwesen spielen in Gibsons Texten eine nicht unwesentliche Rolle - werden auf diesem Album gekonnt in einfühlsam-atmosphärische Arrangements eingebettet, was die Songs zusätzlich von Bitterkeit befreit. Auch wenn die schweren Themen im Zentrum des Albums stehen, vermittelt Gibson mehr als einen Hoffnungsschimmer. Ganz dem Credo ihrer Musikerkollegin Joan (As Police Woman) Wasser folgend, die einmal feststellte: "Dunkel, das ist nur die andere Seite von hell."

Anspieltipps: das titelgebende "Goners", "I Carry Water", "Tenderness", "Performers" oder "Domestication".

Laura Gibson tritt am Donnerstag, 22. 11., beim Blue Bird auf.