1. Er hat es überlebt

Keith Richards kann nicht nur ein Lied davon singen. Er kann mit einem heiseren, bald in einen mittelschweren Hustenanfall übergehenden dreckigen Altmännerlachen dem jüngsten Nesthäkchen einer Generation 70 plus der Rock-’n’-Roll-Senioren tatsächlich äußerst überraschend noch zu Lebzeiten auf Erden zum runden Geburtstag gratulieren - und gleichzeitig auch zum Eintritt in einen Exklusivverein. Hallo, im Club 27 aufgenommen zu werden, weil einem das Heroin so gut geschmeckt hat oder irgendein saublödes Malheur passiert ist, nachdem eine weitere Nacht zum Tag gemacht wurde, ist in dieser Branche kein Kunststück. Nein. Im Rock ’n’ Roll (diese Arbeitsbedingungen!) ist immer auch das Überleben selbst eine Leistung.

Wie oft der am 3. Dezember 1948 in Birmingham geborene spätere Metal-Saubartel Ozzy Osbourne und Keith Richards (Jahrgang 1943, ätsch!) dem gerne im eigenen Werk gehuldigten Gottseibeiuns zusammengerechnet schon von der Schaufel gesprungen sind, ist zwar entweder nicht überliefert oder in einer Wolke aus substanzbedingter Partialdemenz "nicht mehr erinnerlich", wie das in einem durchschnittlichen österreichischen U-Ausschuss heißen würde. Wahrscheinlich wird man aber mit den sieben Leben einer Katze eher nicht auskommen, die Tierschützer jetzt dazu veranlassen könnten, an das jeweils einzige Leben jener Taube (†1981) und der Fledermaus (†1982) zu erinnern, denen Ozzy Osbourne einst den Kopf abbiss (das im Metal beliebte Wort "Abyss" hat damit nur bedingt zu tun). Über die Bedeutung des Begriffes "Mythos" in der Popkultur, das Tieropfer in der Religionsgeschichte oder Blut in der Kunst am Beispiel des Orgien-Mysterien-Theaters des Hermann Nitsch dann ein andermal mehr.

2. Er hat es überstanden

Wer den Rock ’n’ Roll als Dschungel bezeichnet, hat insofern nur teilweise recht, weil Rock ’n’ Roll immer auch eine Fallgrube ist - oder ein Haifischbecken.

Im Falle von Black Sabbath künden ein gewisser Verschleiß an Bandmitgliedern, die Splittergruppe Heaven & Hell sowie diverse Klagsdrohungen und der letztlich auch beschrittene Hai- und Rechtsway to Hell davon. Dazu kommen Banalitäten wie das ewige Warten auf zahllosen Ochsentouren, die je nach Mode, Karrierestatus und Beliebtheit des Metalgenres wechselnde Zuneigung der Leute da draußen - sowie die Notwendigkeit einer künstlerischen Weiterentwicklung, obwohl Ozzy Osbourne sein dahingehendes Desinteresse doch bereits 1991 mit dem durchaus österreichisch grundgestimmten Bekenntnissong "I Don’t Want To Change The World (I Don’t Want The World To Change Me)" dargelegt hätte.