Bevor es zum totalen Fab-Four-Gedenkblock mit leuchtende Kinderaugen in sechzigjährige Gesichter zaubernden Welthits zwischen "Eleanor Rigby" mit Dosenstreichern, dem heiter-zünftigen "Ob-La-Di, Ob-La-Da", der rockenden und rollenden Beach-Boys-Paraphrase "Back In The U.S.S.R." oder "Let It Be" und "Hey Jude", den innigen, kollektiv im Singalong für Ergriffenheit und Rührung sorgenden Balladen für eine bessere Welt kommen sollte, ging es aber auch in Wien zumindest zwischendurch darum, aus einem Werk nach dem Jahr 1970 zu schöpfen, an das sich die Laufkundschaft eher nicht mehr erinnert.

Es setzte "Letting Go" von den Wings mit messerscharfen Blueslicks und einem droben am ersten Rang aufspielenden Bläser-Trio aus der Schule James Lasts, mit dem Skiffle "In Spite Of All The Danger" von 1958 einen Ausflug zurück zum Ursprung der Beatles-Vorgängerband The Quarrymen sowie "My Valentine", Paul McCartneys späten Beserljazz für gediegene Abende mit Rotweinbegleitung. Vom aktuellen Album "Egypt Station" wurden der Synkopen-Boogie "Who Cares", "Come On To Me" mit Doo-doo-Gesang und "Fuh You" gereicht, McCartneys gescheiterter Versuch, mit OneRepublic-Mann Ryan Tedder an den Rockpop von heute anzuschließen.

Zupfballade und Operettenrock

Neben akustischen Strecken regierte bei erhöhter Lautstärke und tüchtigen Schwurbelsoli lange vor dem diesbezüglichen Kernstück "Helter Skelter" im Zugabenblock aber auch jener ohne Lagerfeuergitarre errichtete Werkteil, der die Entstehung des Hardrock-Genres zumindest begünstigt hat. Jawoll!

Den akustischen Höhepunkt besorgte das schwer Gänsehaut evozierende "Blackbird" als McCartney-Solo, das vor den Eindrücken der US-Bürgerrechtsbewegung entstand. "Live And Let Die", das traditionsgemäß mit Dampfkanone, Böllerschuss und hochzüngelndem Feuer gereichte einzige Stück Operettenrock der Musikgeschichte, das nicht nur erlaubt, sondern richtig gut ist, und das als pumpend-psychedelische Jahrmarkts- und Zirkusfolklore auffahrende "Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band" brachten weitere Facetten in eine Setlist, der man Abwechslungslosigkeit sicherlich nicht unterstellen kann.

Verbundenheit, Zusammenhalt, gut und ein Mensch sein - darum geht es letztlich nicht nur in den Songs von Paul McCartney, der einem Fan-Paar am Mittwoch auf offener Bühne auch noch bei der Verlobung half. Der Prediger aber stand draußen im Freien auf verlorenem Posten.