Ian Anderson präsentierte in der Stadthalle Jethro Tull. - © David Bitzan
 Ian Anderson präsentierte in der Stadthalle Jethro Tull. - © David Bitzan

Ian Anderson gab sich nun also am Montagabend in der Wiener Stadthalle die Ehre, um mit seinen Fans ein halbes Jahrhundert Jethro Tull zu feiern. Und die Anhänger des Progressive Rock waren zahlreich erschienen, um dessen Altmeister bei einem musikalischen Exkurs vor allem durch die beiden ersten Jahrzehnte des Schaffens der von ihm so geprägten Band zu erleben.

Obschon von einigen notorischen Fotografierverbot-Missachtern irritiert und darob leicht genervt wirkend, strahlte Anderson mit seinen Mitmusikern John O´Hara (Keyboard), Florian Opahle (Gitarre), David Goodier (Bass) und Scott Hammond (Schlagzeug) jene gewisse Spielfreude aus, die den Draht zum Publikum schafft.

Den ersten Teil des Abends widmete Anderson, zwischen Querflöte und Mundharmonika wechselnd, den Anfängen der Tull-Geschichte (im Interview mit der "Wiener Zeitung" hatte er im Vorfeld erklärt, wie es zu seiner prägnanten Spielhaltung gekommen war). In Vidiwall-Zuspielungen gab es Grußworte von Mitbegründer Mick Abrahams und Bassist Numero 2, Jeffrey Hammond-Hammond, dem zu Ehren "A Song for Jeffrey" erklang. Die originell-eigenwillige Bearbeitung von Johann Sebastian Bachs "Bourree" und ein kraftvolles "My God" bildeten wohl den Höhepunkt der Setlist im ersten Teil.

Mit einem kurzen Ausschnitt aus "A Passion Play", live eher selten gehört in den vergangenen Jahrzehnten, feierte Anderson nach der Pause weiter, ehe er mit den Titelliedern der drei bezeichneten Alben "Songs from the Wood", "Too Old to Rock ’n’ Roll: Too Young to Die!" und "Heavy Horses" dem Schaffen der späten Siebziger Raum gab. Epische Dimensionen brachte "Farm on the Freeway", ein heute leider noch immer aktuelles kritisches Lied über Bauernabsiedelung und Bodenversiegelung aus den späten Achtzigern auf die Bühne, bevor es mit "Locomotive Breath" zum – auf der Vidiwall von dahinrasenden Zügen visuell begleiteten – Finale kam.

Dass Ian Anderson mittlerweile die Siebzig überschritten hat, ist ihm eigentlich nicht wirklich anzumerken. In der von ihm gewohnten Agilität wirkt zwar manche Bewegung schon etwas gesetzter, dafür sorgte er bei einer für ihn typischen Flötenpose mit einer ein Kurbeln andeutenden Handbewegung auch für einen Schuss Selbstironie. Die angereisten Fans kamen jedenfalls voll auf ihre Kosten - und wünschen ihm eine noch lange andauernde Karriere . . .