Man kann es das Comeback des Jahres nennen. Nun, wirklich weg in dem Sinn, dass sie eine Demission bekannt gegeben hätten, waren nicht. Doch die acht Jahre Pause seit ihrem letzten Album "Rise up" schürten Fragen nach der Zukunft des familiär durchwegs in Kuba verwurzelten Trios, das Pionierarbeit in der Vermählung von Hip-Hop mit Latino-Musik geleistet hat. Und da schließlich Produzent DJ Muggs, der an "Rise Up" nur mehr peripher beteiligt war, wieder voll an Bord ist und die Wegrichtung vorgab, stellt die heuer im Herbst erschienene neunte LP "Elephants On Acid" tatsächlich eine Art Reinkarnation der "originalen" Cypress Hill dar.

Vieles ist hier vertraut: Die gewisse Erdschwere, der die massive Inhalation halluzinogener Rauchwaren alles andere als abträglich ist, die meckernden Raps von B-Real im Kontrast zu den kräftigen Vocals Sen Dogs und einige poppige Aufheller. Eher ungewohnt sind indes mehrere Instrumentalflächen und prominente Einflüsse orientalischer Musik.

Nahöstliche Elemente

"Muggs reist viel herum, um Musik aus allen möglichen Ländern aufzunehmen" erzählt Rapper Sen Dog im Interview mit der "Wiener Zeitung". "Er und (Hip-Hop-Produzent) Fredwreck fuhren nach Ägypten und erkundeten die Musikszene dort. Ich fand es jedenfalls cool, diese nahöstlichen Elemente in das zu integrieren, was Cypress Hill macht. Wir hatten nie Berührungsängste, unseren Stil mit Reggae, Reggaetone, Heavy Metal oder sogar Classic Rock zu vermischen."

Das amerikanische Publikum allerdings erteilte "Elephants On Acid" eine heftige Abfuhr: Eine Woche hielt sich das ambitionierte Album mit einer Notierung an 120. Stelle in den Billboard-Charts - nicht wirklich zufriedenstellend für eine Band, die dort einst an oberster Position gestanden war und selbst nach dem Einbruch der Platten-Industrie noch immer für einen Platz um die 20 gut gewesen war.

"Ich kann Ihnen keine andere Erklärung geben, als dass die Musikszene dieser Tage schwer zu verstehen ist", erklärt Sen Dog. "Die USA sind überschwemmt von Entertainment. Es gibt da einfach zu viel. Ich beurteile aber den Erfolg von Cypress Hill nicht danach, wie die amerikanische Fan-Base auf uns reagiert. Es wäre sicher nett gewesen, mit der neuen Platte mehr Erfolg in den Charts zu haben, aber ich denke, nach acht Jahren Abwesenheit sind wir wieder in einer guten Ausgangslage. Wir haben eine Menge Aufmerksamkeit für die Platte gekriegt, wir absolvieren eine Welt-Tour mit vielen ausverkauften Venues." Immerhin zeugte das begeistert akklamierte Konzert im knallvollen Gasometer am Dienstag von unverminderter Live-Attraktivität.

Obschon Cypress Hill sich - ohne Muggs, der von Mix Master Mike ersetzt wurde - nur über drei Songs aus "Elephants On Acid" drübertrauten, vermittelte ihr Set durchaus noch immer das, was man "zeitgemäße Relevanz" nennt. B-Real komplimentierte das Publikum als Resümee eines Tour-Monats als "some of the craziest motherfuckers out there".

In Europa um halb sechs

"In Europa haben wir immer ein großartiges Publikum", bestätigt Sen Dog im Gespräch. "Wenn Sie mich fragen, was meine favorisierte Form des Auftritts ist, so würde ich sagen, irgendwo in Europa bei einem der großen Festivals, um halb sechs, sechs am Abend. Das Lustige ist, als ich anfing, hat es mich frustriert, immer nach Europa kommen zu müssen. Ich war damals einfach noch unerfahren und wollte nicht so viel unterwegs sein. Jetzt, wo ich älter bin, genieße ich es, in einer dieser legendären Städte zu sein, mal in Rom zu Mittag zu essen und solche Sachen."

So wie B-Real betreibt auch Sen Dog abseits von Cypress Hill Rock-Projekte. In seinem Fall ist das die Metal-Rap-Formation Powerflo. Immer noch aber habe, versichert er, Cypress Hill Priorität vor allen anderen Aktivitäten. "Wir nennen Cypress Hill das Mutterschiff. Solange dieses Mutterschiff fährt, sind uns auch andere Bereiche offen. Je länger wir das tun, desto mehr sind wir zementiert als eine der größte HipHop-Bands der Geschichte oder vielleicht als eine der größten Bands aller Zeiten überhaupt. Wie es derzeit abzusehen ist, gibt es kein Ablaufdatum für Cypress Hill. Das ist auch nie diskutiert worden."