Gegenläufig zu einer expansiven Kraft konzentrieren sich die Töne in einem intimen Innenraum, der die Illusion hervorruft, er wäre nur für einen selbst erschaffen worden. Eindringlich wie gleichzeitig schüchtern wirkt Hunts zurückhaltende Präsenz an diesem Unort voller grausamer Verletzlichkeit. Mit dem ersten zaghaften Aufflammen der Akkorde entwickelt dieses Gewebe aus Nichts einen unwiderstehlichen Sog: "What if I die and nothing happens? Will my soul decay with me?" Many Rooms gelingt mit ihrer Geisterbeschwörung ein wunderbar-sphärisches Album verdichteter Traurigkeit. (Andreas Walker)

***

Der Name täuscht: Monsieur Doumani stammt nicht aus dem Land der Gelbwesten und Gourmets, er ist auch keine Einzelperson. Hinter dem vermeintlichen Franzosen steckt ein Trio: Es wurde 2011 in Nikosia, Zypern, gegründet und hat sich seither einiges Renommee erspielt. Dabei verblüfft nicht nur die Besetzung mit Posaune, Gitarre und Tsouras, einem Verwandten der griechischen Bouzouki. Die drei Herren mengen den Klangtraditionen ihrer Heimat gern ein Quäntchen Rockmusik und Wagemut bei, bleiben meist aber einem akustischen Sound treu.

Das neue Album, "Angathin" (Monsieur Doumani), besticht durch die herb-treibenden Qualitäten des griechischen Rembetiko, aber auch durch eine eigenwillige Note: Wenn der Gesang zur Begleitung der Humpa-Posaune auf einem Ton herumreitet, offenbart sich kurzzeitig eine Wahlverwandtschaft mit Attwenger; andernorts verschmilzt ein Gitarrengeschrammel aus dem Geist des Post-Rock mit einem schubkräftigen 9/8-Puls zur Zugnummer.(Christoph Irrgeher)

***

Mit Zorn, Kraft und Raffinesse spielen The Ex auf ihrem Album "27 Passports" (Ex Records) gegen politische und soziale Ohnmacht an. Gegründet wurde die holländische Combo 1979, bis heute zählt sie zu den originellsten Bands mit Rock-Instrumentierung. Sie hat sich dank ihrer vielen musikalischen Kooperationen bis heute weiterentwickelt und pflegt den regen Austausch mit Künstlern aus aller Welt. "27 Passports" verbindet dem Anschein nach musikalisch inkompatible Richtungen, wie etwa die Musik der kongolesischen Likembé-Band Konono N°1 mit einer Sozialisation im (Post-)Punk der ersten Stunde.

Auch regiert der für die Band so typische Sound aus Experiment, Minimalismus und Wiederholung: Jeder Musiker spielt eher einfache Muster, die Komplexität kommt mit Interaktionen - mit dem galoppierenden Schlagwerk von Katherina Bornefeld etwa, den tiefen Saitenklängen von Andy Moors Baritongitarre oder dem frechen Gesang von Arnold De Boer. Bass braucht es keinen, drei Gitarren reichen. Mit ihren zehn neuen Stücken zeigen The Ex, dass Bands auch nach 40 Jahren fernab eines Abklatsches ihrer selbst noch frische, einfallsreiche Songs kreieren können. (Christa Hager)

***

Lücken und Pausen wiegen manchmal schwerer in der Musik, als man vermuten könnte. Die 23 Jahre alte Londonerin Tirzah weiß das. Immer wieder stoppt die Musik für kurze Zeit, immer wieder werden ihre träumerischen Vocals zerhackt, kurz nur, dafür aber umso effektiver. Tirzahs Debütalbum "Devotion" (Domino) ist eine kleine, unscheinbare Perle. Leicht zu übersehen, im Jahresrückblick aber funkelt sie umso strahlender. Der von Mica Levi produzierte Erstling löst nicht nur ein, was die bisher bekannten EPs von Tirzah versprochen haben, nein, er übertrifft alle Erwartungen. Jeder Song ein subtiles Hörabenteuer.

R&B-Versatzstücke, Trip-Hop-Beats, Pop-Harmonien, dazu von Autotune verzerrter Gesang oder geflüsterte Vocals, mal akustisch über Gitarren, zumeist jedoch in elektronische Soundlandschaften eingebettet. Perfektion und polierte Produktion werden bewusst nicht angestrebt, denn gerade das Ungeschliffene macht den Reiz dieser Platte aus, an der man sich einfach nicht satthören kann. (Uwe Schütte)