Im Juni 1980 traten Led Zeppelin zum zweiten und letzten Mal in Wien in der Stadthalle auf. Es war damals in der gesamten "Szene" - bei den politisch korrekten Alternativen genauso wie bei den modischen New-Wave-Kids - unglaublich pfui, dorthin zu gehen: Diese Band repräsentierte schnöden Pop-Kapitalismus und Rockstar-Klischees wie keine andere.

Der Gig in Wien war einer der letzten Auftritte von Drummer John Bonham. Da es damals bei Konzerten noch keine Videowalls gab und die Schlagzeug-Batterie sowieso den Akteur verdeckte, blieb den allermeisten Besuchern das aufgedunsene, schweinsäugige Antlitz des 32-Jährigen, der drei Monate später nach einem galaktischen Wodka-Besäufnis an seinem Erbrochenen erstickte, verborgen.

Wiener Groupies

Mittelpunkt der Show war, neben Sänger Robert Plant als souveränem Zeremonienmeister, Jimmy Page. Wiewohl sich seine Kommunikation mit dem Publikum auf den Versuch beschränkte, den Titel "Black Dog" deutsch anzusagen, präsentierte sich der zu dieser Zeit heroinsüchtige Gitarrist, dessen Hang zum Okkultismus in der Rock-Mythologie viele Spekulationen ausgelöst hat, mit extensiven Soli und seiner natürlichen Autorität als genau das, was er war: das musikalische Zentrum und Hirn der Band. "On guitar - Jimmy Page. On guitar - Jimmy Page. And for the next time on guitar - Jimmy Page", so annoncierte Plant - irgendwie wirkte es leicht genervt - und trat mit den zwei anderen ab.

Page ließ sich auf einem Barhocker nieder und stimmte das Instrumental "White Summer" an. Plötzlich ging er zu Boden. Mancher mochte an einen seltsamen Show-Effekt gedacht haben, denn das Gewummer aus der Gitarre unterschied sich nicht dramatisch vom Vorangegangenen. Dann aber gingen die Lichter aus, und nach einer Weile teilte ein aufgebrachter lokaler Tour-Manager mit, was Sache war: Ein "Fan" hatte Page einen Knallkörper aufs Auge geschossen. Trotzdem behielten Led Zeppelin ihr Wien-Gastspiel in gutem Andenken. Denn wie Sänger Plant noch Jahre später schwärmte, hatte man sich danach ausgiebig mit Groupies vergnügt. Dass ihm das in Erinnerung geblieben war, ist angesichts der legendären Tour-Exzesse der Band tatsächlich bemerkenswert.

Wenigstens in dieser Hinsicht ein letzter Hauch verblasster Größe. Als sich Led Zeppelin bald darauf auflösten, weinte ihnen kaum jemand eine Träne nach. 27 Jahre und ein paar musikalische Geschmacksumwälzungen später rissen sich 20 Millionen Fans um die umgerechnet 183 Euro teuren Karten, als die noch lebenden drei Viertel der Ur-Besetzung plus John Bonhams Sohn Jason am Schlagzeug für ein einmaliges Reunion-Konzert auf die Bühne der Londoner O2-Arena stiegen.