Mit jedem neuen Album bestätigt und verfestigt Steve Gunn seinen Ruf als exzellenter Songschreiber und virtuoser Gitarrist. Der New Yorker hat nicht nur das richtige Gespür für eingängigmelodische und zugleich ausgeklügelte Songs, er stattet sie auch ganz nonchalant mit einer sanften Wucht und unaufdringlichen Intensität aus, wie das nur große Könner vermögen.

Während ein Großteil der Popsongs von nur behaupteten Emotionen erzählt, lässt Steve Gunn auf "The Unseen In Between" den Hörer ungefiltert und authentisch an seinen Erfahrungen mit einer Krebserkrankung und dem daraus resultierenden Tod seines Vaters teilhaben.

Neben diesen sehr persönlichen Songs finden sich auf seinem neuen Album aber auch ein paar in lakonischer Abgeklärtheit vorgetragene Songstudien über das (amerikanische) Alltagsleben, vagabundierende Außenseiter und die Liebe in Zeiten gesellschaftlicher Umwälzungen. Steve Gunn hat sein musikalisches Vokabular hier noch einmal erweitert und zeigt auf berückende Art und Weise, wie transzendierende Schönheit klingen soll.

Die neun Songs sind melodisch und rhythmisch raffiniert aufgebaut, oszillieren zwischen dezentem Groove und schwebenden Gitarrenklängen, entwickeln einmal einen einnehmenden Pop-Appeal und entfalten dann wieder eine sehnsuchtsvoll-melancholische Atmosphäre.

Psychedelischer Gitarrensound trifft auf unaufgeregte Westcoastklänge, elektrifizierter Folkrock auf klassisches AmericanaFeeling. Tony Garnier (Studio- und Tourmusiker bei Bob Dylan) steuert die eine oder andere Bassline bei und Meg Baird beglückt mit harmonieseligen BackgroundVocals. Zu alledem erweist sich Steve Gunn als famoser Geschichtenerzähler und lässt in seinen Songs Gedanken und Gefühlen auf unverwechselbare Art ihren assoziativen Lauf. "The Unseen In Between", Gunns zweites Album bei Matador Records, ist somit ein früher Anwärter für die Bestenlisten des Jahres 2019. Anspieltipps: "New Moon", "Vagabond", "Stonehurst Cowboy".