Es beginnt rhythmisch noch sehr entspannt auf einem gemächlichen Bassgroove mit prototypisch sparsamen Zeilen, die sich nur mit großer Mühe nicht als Lob des Müßiggangs, der Kontemplation und - ja! - der Leistungsverweigerung lesen lassen: "Heute ist Welthundetag / Und wir gehen in den Park / Lassen uns kraulen / Hundeseele baumeln". Damit ist zwar die Neigung der Gruppe zur repetitiven rhythmischen Bahn, zur Harmonie, zu einem gewissen Minimalismus und gerne auch zu als Abzählreim gehaltenen Slogans recht treffend erklärt. Auf der falschen Fährte ist man als Hörer allerdings insofern, als die Türen aus Berlin ihrem zum Auftakt gereichten Bekenntnis zur Rast und zur Faulheit und zum "Parklife" nach Blur im Vier-Pfoten-Remix ein überbordendes Dreifachalbum folgen lassen, das also durchaus mit Arbeit verbunden war.

Die Hausband des Staatsakt-Labels um dessen Gründer Maurice Summen am Mikrofon und dem wunderbaren Chris Imler als taktbestimmenden Zeremonienmeister hinter dem Schlagzeug ist seit dem Jahr 2002 aktiv und erhält seit mittlerweile sieben Jahren tatkräftige Unterstützung von süd-östlich des Weißwurstäquators in Gestalt Andreas Spechtls von Ja, Panik aus Wien.

Mit Sogwirkung

Gemeinsam mit dem für den aktuellen Soundentwurf des Quintetts zentralen Bassisten Ramin Bijan und dem Ex-Blumfeld-Keyboarder Michael Mühlhaus geht es im Jahr 2019 darum, dem Albumtitel "Exoterik" entsprechenden Schall und Rauch als greifbare Glaubenslehre mit Substanz hinterherzuschicken. Man huldigt dem ans Licht (und mitunter zur Erleuchtung) drängenden Krautrock-Experimentalismus der späten 60er und 70er Jahre oder der Post-Punk-Eiseskälte an der Schwelle zum Jahrzehnt des Großen Bruders und lässt die Modernen dieser vergangenen Pop-Dekaden mit Kreativ-Epizentren in Schland zwischen West-Berlin und Weilerswist als retrofuturistische wie zeitlose Glanzlichter strahlen.

Zwischen wild ins Kraut schießenden 14-Minütern, die mit Dub-Echos zu Rauchschwaden durch den Hallraum geistern, und der zickezackenden Dringlichkeit eines auf der New Wave surfenden Kinderreims im auf den Punkt gespielten 180-Sekunden-Format ist sehr vieles möglich. Das ist gewinnend, macht großen Spaß und hält den Spannungsbogen auch über die stur gegen die Aufmerksamkeitsökonomie unserer Zeit gerichtete Spieldauer von einer Stunde und 53 Minuten aufrecht. Selten haben hier besungene Verpflichtungen wie "Miete, Strom, Gas" oder im besten Bad-Seeds-Sound beschworene andere Ärgernisse ("Ich bin eine Krise") mehr Vergnügen bereitet. Dazu kommen als weitere Eckpfeiler politische Haltung ("Fiesta Antifa"), popkulturelle Zitate und Umdeutungen, die noch den "Trans Europa Express" von Kraftwerk zum "Regionalexpress" downgraden werden - wie nicht zuletzt ein der Unternehmung wesensimmanenter Schamanismus und Ausflüge hin zum Live-Techno in Bandbesetzung ("Rave Regime"), wie man ihn auch von den diesbezüglichen österreichischen Genre-Helden Elektro Guzzi kennt und schätzt.

Call-and-Response-Gesänge, pluckernde Arpeggios und ausgedehnte Instrumentalstrecken mit aus Jams geschälten Arrangement-Collagen runden die Ergebnisse ab. Wir hören Musik mit Sogwirkung, die nur einen Wunsch offenlässt: den nach einem baldigen Wien-Konzert.