Nicht wenige halten Bob Mould für einen der größten Musiker, die das Punk- und Alternative-Rock-Umfeld je hervorgebracht hat. Allein: Diesem Ruf gerecht zu werden, das vermochte der sensible Riese nicht mit jedem seiner Alben. Oft stand er sich dabei selbst im Weg - Drogenprobleme, Wut, Selbstzweifel und depressive Phasen machten ihm immer wieder zu schaffen.

Das vergangene Jahrzehnt stand im Zeichen der Konsolidierung, und derzeit präsentiert sich Mould so vital und optimistisch wie selten in seiner langen Karriere. Im Jahr 2015 verlegte der US-Amerikaner seinen Lebensmittelpunkt nach Berlin, und die Zeit seither hat ihm hörbar gut getan. "Sunshine Rock" kündet davon: Der zuversichtliche und mit einem markanten Gitarrenriff dynamisch anschiebende Titelsong gibt den Grundton vor und vermittelt neben Aufbruchsstimmung auch lebensbejahende Gefühle. Die weiteren elf Songs gehen zwar nicht als pure Gute-Laune-Musik durch, überraschen aber dennoch mit einem Sound, der mehr Licht spendet, als er Schatten wirft.

Der mittlerweile 58-jährige Musiker, der mit seinen wenigen verbliebenen Haaren, dem grauen Bart und seiner unscheinbaren Brille heute eher einem beliebigen Beamten gleicht als einer der größten Hardcore-Legenden, erweist sich hier als Meister darin, Schroffheit mit Eleganz zu verknüpfen. Überdies beeindruckt Mould einmal mehr mit einem Händchen für majestätische Melodien inmitten von Fuzz-Gitarren und schepperndem Schlagzeugsound.

Die rauen und energiegeladenen Alternative-Rock-Klänge werden dabei von zum Teil opulenten Streicherarrangements konterkariert und ergänzt, die immer noch vorhandene Hardcore-Attitüde wird mit einer altersgerechten Gelassenheit und Weisheit abgeglichen. Mit "Sunshine Rock" ist Bob Mould also so etwas wie ein würdiges Alterswerk gelungen. Unterstützt haben ihn dabei Jonathan "Jon" Wurster am Schlagzeug und Jason Narducy am Bass. Anspieltipps: "Lost Faith", "Western Sunset", "What Do You Want Me To Do" sowie das Titelstück.