Ständig hören wir, dass man die Zeit nicht zurückdrehen könne - was für ein Blödsinn! Jedes Jahr üben wir uns (noch) bei der Rückkehr zur Winterzeit darin; politisch wird es im Gefolge von Trump weltweit praktiziert; und musikalisch ist die Zeitreise in die Vergangenheit eine der wenigen noch lohnenden Unternehmungen, wie’s scheint.

Das hat sich wohl auch Johnny Borrell, einst Kurzzeit-Bassist bei den Libertines, gedacht - und mit seiner (mittlerweile komplett umbesetzten) Band Razorlight nach fast zehn Jahren Pause ein neues Album eingespielt. Darauf wird der Indierock der frühen Nullerjahre erstaunlich vital(stoffreich) hochgekocht: es rumpelt, schunkelt, shuffelt und rockt in schmaler, traditioneller Quartettbesetzung so munter dahin, dass es (ähnlich wie bei den Fratellis im vergangenen Jahr) eine belebend-anregende Freude ist. Das frühere Großmaul Borrell nimmt den Mund (vielleicht sogar altersgereift) diesmal nicht zu voll - und belässt es dabei, seine glockenhelle Bubenstimme ausschließlich für einnehmende Songs, wie etwa "Carry Yourself" oder "Midsummer Girl", einzusetzen.