Die Konkurrenz schläft nicht: Ariana Grande veröffentlicht "Thank U, Next". - © Alfredo Flores
Die Konkurrenz schläft nicht: Ariana Grande veröffentlicht "Thank U, Next". - © Alfredo Flores

Der Titel des neuen Albums lässt die eine oder andere Lesart zu. "Thank U, Next", das erinnert an Bewerbungsgespräche, bei denen ein Malheur passiert ist ("Danke! Wir rufen Sie an!"), an den schnell entstehenden Wunsch nach Abwechslung und Neuem in einer Zeit, in der Warten ein Fremdwort ist - sowie neben Liebe in Zeiten von Tinder (Wisch - und weg) auch an die Protagonistin selbst.

Schließlich ist es noch keine sechs Monate her, dass Ariana Grande ihr letztes Album veröffentlicht hat. Und auch "damals", für das im August 2018 erschienene "Sweetener", musste es schnell gehen, was angesichts der Vorgeschichte mehr die Unerbittlichkeit des Systems betont als Schlagworte wie "künstlerische Notwendigkeit". Immerhin hatte die Sängerin aus Florida einen Terroranschlag zu verkraften, bei dem ein islamistischer Selbstmordattentäter nach ihrem Konzert in Manchester im Mai 2017 zweiundzwanzig Fans mit in den Tod riss und mehr als achthundert weitere verletzte.

Freundschaft und $ $ $

Die auf "Sweetener" unter dem Motto "Jetzt erst recht" und "Liebe statt Hass" eingeläutete Feier des (Über-)Lebens wird nun im Wesentlichen auch mit den neuesten vierzig Spielminuten fortgesetzt. Sechs Produzenten und bis zu zwölf (!) Autoren pro Song haben dafür gesorgt, dass auch die Ideen der meist als schlanke Dreiminüter daherkommenden Chartsangebote die Aufmerksamkeitsspanne nicht zu sehr strapazieren. Wobei sich die Wisch-und-weg-Variante mit Tinder-Hintergrund relativ rasch als die tatsächliche Lesart von "Thank U, Next" (Universal Music) bestätigt. Schon mit dem als Vorabsingle ausgekoppelten und bei etwas Bubblegumfeeling durchaus im Mariah-Carey-Stil gehaltenen Titeltrack hat sich Grande - trotz der Conclusio im Refrain - zwar bei allen ihren Exfreunden für die gemeinsam gemachten Erfahrungen bedankt. Aber.


Nicht nur als Feier der Freundschaft wird mit "7 Rings" auch die zweite Single des Albums verstanden. "Wearing a ring, but ain’t gon’ be no ,Mrs.‘ / Bought matching diamonds for six of my bitches." Irgendjemand wird sicher auch wieder auf die Idee kommen, den Song, der im Kern vor allem dem Turbokapitalismus ein Denkmal errichtet, als feministisches Manifest zu interpretieren. Ariana Grande singt das tatsächlich so: "Whoever said money can’t solve your problems / Must not have had enough money to solve ’em."