Dystopien unterschiedlichster Art stehen in der Kunst derzeit hoch im Kurs. Die Vorarlberger Musikerin Julia Hummer präsentiert mit ihrer von Stimmungen und Sounds geprägten, atmosphärisch-dichten und assoziativ-mäandernden Gitarrenmusik einen luftigen, warm und freundlich klingenden Gegenentwurf.

Entspannte Lässigkeit und ein unaufdringlich-sanfter Flow der Gleichförmigkeit bilden das Zentrum der zehn Songs auf "Desert Skies". Diese Musik gräbt sich langsam und doch eindringlich ins Unterbewusstsein des Hörers. Juleah setzt in ihrer Musik nicht auf vordergründige Reize, sondern auf die Verknüpfung von Stimmungen, Sounds und Klanglandschaften. Ganz vorsichtig, aber stets wohlklingend schälen sich aus den zerfließenden Melodien mit Vibes und Groove ausgestattete Songs - kunstvoll und einnehmend zugleich.

Der lässig-beiläufige Gesang von Juleah gibt den Songs eine besondere Note, das Zusammenspiel der Band - Henry Galehr (Gitarre), David Stecher (Bass) und Alexander Walser (Schlagzeug) - stattet die Songs mit ordentlich Hall, Rauschen und Echo aus. Obwohl Juleah auf ihrem mittlerweile dritten Album nahtlos an ihren Trademark-Sound anschließt - ein Mix aus verhuschtem Dreampop, dezenter Psychedelik, Westcoastsound und verhaltener Britpop-Anmutung mit Shoegaze-Touch -, überrascht sie mit mehr Dynamik, Drive und größerer Emotionalität.

Trotzdem erinnern die Songs weniger an reißende Sturmböen als an angenehm-laue Sommerwinde - auch der Albumtitel "Desert Skies" verweist auf musikalische Wohlfühloasen: Die in der Mehrzahl gelassenen Songs ziehen an der Hörerschaft vorüber wie der Himmel, wenn man ihn aus dem Zugfenster betrachtet.

Juleah verknüpft in ihrer Musik inspirierte Einfachheit und inspirierende Klarheit - und mit ihrer Gitarrenkunst erinnert sie an Kolleginnen wie etwa St. Vincent und Anna Calvi, die ihr Instrument mit Können, Charme und Selbstbewusstsein für sich (neu) entdecken. Anspieltipps: "Skies", "Strawberry Shake", "Kahlua".