Nottingham kennt man eigentlich nur aus der Sage von Robin Hood; die ältere Generation mag sich noch an den Fußballclub Nottingham Forest erinnern, der 1979 und 1980 den Europapokal der Landesmeister gewann. Weniger bekannt ist Nottingham für seine Musikszene, auch wenn Jason Williamson und Andrew Fearn dies seit Jahren - mit Erfolg - zu ändern versuchen.

Unweit von Nottingham liegt die Kleinstadt Sleaford, die als Namensgeber für eine der spannendsten Bands der Insel der letzten Jahre herhalten musste. Ende der Nullerjahre tat sich Williamson zwecks gemeinsamen Musizierens mit Simon Parfrement zusammen, der jedoch nach vier Alben 2012 wieder ausstieg. Der Einstieg Fearns gereichte nicht zum Schaden, sind Sleaford Mods doch spätestens seit ihrem Album "Key Markets" (2015) kein Geheimtipp mehr: Ihre nervöse Mischung aus Punk, elektronischen Beats und Hip-Hop, die oftmals zornigen, im Northeast-Midlands-Dialekt vorgetragenen Lyrics von Williamson und das Fearnsche Soundgewebe entwickeln eine ganz eigene Sogkraft.

Auch diesmal ist etwas faul im Staate - und kein Himmel wird es lenken. "Living off the puke" wird in "When You Come Up To Me" anschaulich geschildert, "Brush the bodies of the dead in your street" fordert "Substraction", und in "Into The Payzone" wird das Jahr 2019 gleich zum "death race" erklärt. Irgendwie geht es außerdem um die durch das "System" Ausgestoßenen, die von einer Elite nach Belieben benutzt oder - um es mit dem Wort von Williamson zu sagen - "verdaut" werden.

Diese an Verschwörungstheorien aus den 1970er und 1980er Jahren erinnernde und nicht ganz frei von pubertärem Gestus vorgetragene Thematik wird untermalt durch Lo-Fi-Drums. Bei "O.B.C.T." delirieren die Sleaford Mods sogar in Nachbarschaft von Bauhaus (gemeint ist die Band, nicht der Kunststil!).

Aber vielleicht erklärt dieser Spagat zwischen damals und heute auch die Faszination, die von "Eton Alive" ausgehen kann: als ein Versuch, mit einem frechen jugendlichen Effet Protestsongs durchaus partytauglich in die Gegenwart zu retten.