- © Sven Darmer
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Gelddruckmaschine? Nein, das Wort mag Adrian Grant im Zusammenhang mit seiner Show "Thriller - Live" gar nicht hören. Dabei läuft die zweistündige Hommage an Michael Jackson seit 2009 allabendlich im Londoner Lyric Theatre. Allein an der Themse haben mehr als 2,7 Millionen Besucher das Nostalgie-Spektakel gesehen, die weltweiten Touren mit dem Showkonzert rund um die Karrierestationen des Pop-Giganten lockten weitere 2,3 Millionen Menschen in die Theater zwischen Abu Dhabi und Singapur. Das zehnjährige Jubiläum der Show wird nun mit einer zweimonatigen Tournee durch Österreich und Deutschland begangen.

Jackson, die ewige Geldquelle

Doch der Show-Produzent spricht naturgemäß viel lieber über das Glück der Tänzer, Sänger und Musiker, "einer Tätigkeit nachzugehen, die sie lieben ob der Musik und des Menschen Michael Jackson, sein Werk inspiriert bis heute viele". So funktioniert Legenden-Bildung. Indes: Grant kann tatsächlich auf eine gewisse Beziehung zu dem Mega-Star zurückblicken.

Der Brite ist dem King of Pop nicht allein seit seinem zwölften Lebensjahr treu ergeben - "zum Fan wurde ich, als ich ,Thriller‘ hörte und ihn den Moonwalk machen sah" - sondern gehört zu jenen Anhängern, die dem König auch nahe gekommen sind, seit er 1988 erst mit einem weltweit verbreiteten Fan-Magazin und später einer alljährlichen Tribute-Show dem Meister huldigte. Jackson lud ihn mehrfach auf seine Neverland Ranch ein, ermunterte und unterstützte ihn bei seinen Ideen zu "Thriller - Live" und habe die ersten Eindrücke "unglaublich" gefunden.

Da erstaunt es nicht, dass Grant denn auch nur positive Worte über diesen "visionären Mann mit dem Herzen eines Kindes" findet. Allein manchmal habe dieser "fröhliche, lebenslustige und verspielte Mensch" einfach nicht wahrhaben wollen, dass es Leute um ihn gab, die ihn ausgenutzt haben. Namen mag der 49-Jährige keine nennen, auch nicht, ob hier und da die eigene Familie über Gebühr profitiert habe, seinen Erben bringt die Supernova bis heute mit Plattenverkäufen, Musikrechten und Shows jährlich weit mehr als 100 Millionen Dollar ein. Michael Jackson rangiert damit auf dem ersten Platz der bestverdienenden toten Stars. Kein Wunder, dass angesichts solch einer Geldquelle die Erben mit Argusaugen über die weltweite Vermarktung des King of Pop wachen.

Was derzeit die Cofo Entertainment Group zu spüren bekommt, die ohne Lizenz ihre Michael Jackson-Show "Beat it!" durchs Land touren lässt: Martin Diesbach, Anwalt der Nachlassverwalter, hat Klage gegen den Passauer Veranstalter eingereicht, im Frühjahr steigt die Verhandlung vor dem Landgericht München. "Unsere Rechtsauffassungen stehen sich diametral gegenüber", stellt der Medienrechtsexperte fest: Während die Cofo behaupte, ihre Produktion sei lediglich "eine konzertante Aufführung ohne relevante Spielhandlung", ist für Diesbach nach einem Besuch klar, dass es sich um ein Musical handelt, das Jacksons Leben nacherzähle. "Dafür gibt es aber keine Lizenz." Entsprechend lautet seine Klage darauf, dass jeglicher Verdienst aus der "Beat it!"-Show an die Erben auszuzahlen sei. Was angesichts von mehr als hundert (geplanter) Tourneetermine am Ende in die Millionen gehen könnte. Indes ist Cofo-Geschäftsführer Oliver Forster zuversichtlich, dass es nicht zum finanziellen Showdown kommen werde: Letztlich gehe es bei der Auseinandersetzung um die Frage, ob seine Produktion dem "Großen Recht" oder dem "Kleinen Recht" zuzuordnen sei - in letzterem Fall müsste die Lizenz hierzulande lediglich durch die Verwertungsgesellschaft Gema und nicht durch die Jackson-Erben genehmigt werden. "Bei uns sind Songs und Geschichte unabhängig voneinander, im Kern handelt es sich um eine Musikrevue, deren Songs austauschbar sind", argumentiert der Passauer. Entsprechend klagt Forster nun selbst gegen die deutsche Verwertungsgesellschaft GEMA, das "Kleine Recht" für "Beat it!" endlich zu genehmigen, so wie im Falle ähnlicher Produktionen seines Unternehmens über Elvis, die Beatles oder Falco. Zumal es bei dem Paragraphen-Gefecht ohnehin nicht um die fälligen Lizenzgebühren in Höhe von 15 Prozent des Umsatzes gehe - "die wollen wir gern bezahlen" - sondern um eine eigene, für 2020 geplante Broadway-Show der Nachlassverwalter über das Pop-Genie: "Die wollen kein zweites Musical."