Mag das Café Goldegg in Wien: Robert Forster. - © Bleddyn Butcher
Mag das Café Goldegg in Wien: Robert Forster. - © Bleddyn Butcher

"Was romantische Professionen angeht, kann man es mit Leuchtturm-Reinigen, Löwen-Bändigen oder der Arbeit eines Privatdetektivs in Los Angeles in den 1940ern vergleichen. Die Stunden sind lang und die Chancen, halbwegs Geld zu verdienen, gering. Du siehst, wie dich Leute deines Alters bei der Akkumulation weltlicher Güter überholen. Indem du das hinnimmst, machst du dich selbst zu deinem Antrieb, weiterzumachen, denn ohne Glauben an dich selbst und die Liebe zu dem, was du tust, wirst du scheitern. Aber immerhin, es wird auch Zeiten geben - zum Beispiel, wenn du durch den Zoll gehst, bei einer Dinner-Party oder wenn du eine Person triffst, die du für die Liebe deines Lebens hältst -, wo du auf die Frage, was du machst, mit erhobenem Kopf und glänzenden Augen sagst, ,Ich bin Singer/Songwriter.‘"

Song-Reflexion

Robert Forster hat diese Zeilen für das Magazin "Monthly" über seinen australischen Landsmann Hans Poulsen geschrieben, der in den späten 60er und frühen 70er Jahren als feinsinniger Liedermacher Anerkennung bei Insidern, nie aber den Zuspruch eines breiteren Publikums fand. Er beschreibt hier mittelbar aber auch sein eigenes Schicksal.

Robert Forster war einer von zwei Masterminds der in den späten 70er Jahren in Brisbane gegründeten Go-Betweens. Seit dem Tod seines kongenialen Songwriter-Kollegen Grant McLennan ist die Band, die wie eine Kreuzung aus den Beatles, Byrds und Big Star anmutete, Geschichte. Große Geschichte. Aber eine, mit der sich wirtschaftlich nie großer Hofstaat machen ließ. Dieses Dilemma setzt sich bis in die Gegenwart fort. Noch im Juni 2018 schreibt Forster in seinem Tagebuch von einer "schlimmen finanziellen Situation", der aber die Freuden des Musikmachens und -produzierens in fremden Städten gegenüberstehen. "No Fame", ein Song auf seinem neuen Soloalbum "Inferno", scheint diese Situation prototypisch zu reflektieren. Er bezieht sich indes auf ein frühes Stadium der Go-Betweens, als karrieristisch noch nicht alle Weichen gestellt waren: "Wir konnten uns, als wir anfingen, in keiner Weise vorstellen, was mit uns werden würde", erinnert sich der Sänger und Gitarrist im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

"Es schien uns durchaus möglich, Popstars zu werden. Damals waren Leute wie Elvis Costello, Magazine und Blondie in den Charts. Costello war 25, Debbie Harry fast 30 und wir waren Anfang 20. Als uns aber nach zwei Jahren noch immer keine große Plattenfirma unter Vertrag genommen hatte, kamen wir in den Underground und auf diese Post-Punk-Schiene. Da war absehbar, dass es mit Star-Ruhm nichts werden würde."

"Inferno" ist Forsters drittes Album nach dem Ende der GoBetweens und - vier LPs während der Auszeit der Band vom Ende der 80er bis zur Jahrtausendwende eingerechnet - sein siebentes unter eigenem Namen. Und es ist möglicherweise sein attraktivstes überhaupt: Der Opener, "Crazy Jane On The Day Of Judgement", dessen Text von William Butler Yeats’ gleichnamigem Gedicht stammt, "The Morning" oder "I’ll Look After You" verschmelzen Gelassenheit mit dieser anheimelnd melodischen Grandezza, mit der Pop noch immer die Illusion positiver Lebensenergie hervorzaubern kann.

Rückkehr nach Berlin

"Inferno (Brisbane In Summer)", geschrieben eines Nachts bei 35 Grad Außentemperatur nach einer wochenlangen Hitzeperiode, sorgt wiederum dafür, dass es nicht gar zu idyllisch wird. Das hämmernde Stück erinnert an "I’m Waiting For The Man" von Velvet Underground. Forster aber meint, es klinge eher wie Roxy Music. Immerhin - was den Gesang angeht . . . "Oh, sehr gut! Schreiben Sie das unbedingt in Ihrem Artikel, dass ich wie Bryan Ferry klinge! Er war immer mein Held."

"Inferno" wurde, wie Forsters Solodebüt "Danger In The Past" von 1990, in Berlin aufgenommen. Die Präsentation der deutschen Übersetzung seiner Biografie "Grant & I" hat ihn 2018 dorthin und wieder mit Victor Van Vugt zusammengeführt, der "Danger In The Past" gemixt hatte.

Forster ist mit der deutschen Musikerin Karin Bäumler, die auf "Inferno" Violine spielt, verheiratet und hat jahrelang in Regensburg gelebt. "Ich bin immer gern in Deutschland", sagt Forster und kommt unaufgefordert auf Wien zu sprechen. "Mein favorisiertes Café - weltweit! - ist das Goldegg unweit vom Theater Akzent (wo Robert Forster am 10. Mai auftreten wird, Anm.). Ein Alt-Wiener Café mit Nischen, in denen man richtig versinken kann."