Das Solowerk von Michael Rother steht im Schatten seiner Musik mit Klaus Dinger als Neu! und der Zusammenarbeit mit dem Duo Cluster (unter dem Namen Harmonia). Kein Wunder: Rothers außergewöhnliches Gitarrenspiel verband sich auf stets neue Weise mit der Musik seiner genialen Partner. Deswegen wollte David Bowie ihn unbedingt als Gitarristen für die "Low"-Sessions gewinnen, woraus aber leider nichts wurde.

Unglücklich, um es vorsichtig zu sagen, waren auch die Titel, die sich Rother für seine Soloalben ausdachte: "Flammende Herzen" (1977), "Sterntaler" (1978), "Katzenmusik" (1979) und "Fernwärme" (1982) waren keine passenden Beschreibungen für die zeitlose Musik, die er machte. "Don’t judge a book by its cover", behauptet jedoch ein weises englisches Sprichwort, und das trifft im Bereich der Musik nirgends so sehr zu wie auf die ersten vier Soloalben von Michael Rother, die das Grönland-Label nun in einer wunderschön gestalteten und opulent ausgestatteten Box zum Wiederhören vorlegt.

Nicht jedes der Stücke, die im Übrigen allesamt Instrumentals sind, erreicht die beeindruckend innovative Qualität des Materials mit Neu! und Harmonia. Dafür aber gelang es Rother, seine große Kunst zu konsolidieren: Mit Hilfe von Produzentenlegende Conny Plank und Can-Mitstreiter Jaki Liebezeit an den Drums schuf er auf konsistentem Niveau immer wieder wahre Klassiker, die in den vergangenen Jahrzehnten nichts an Faszination verloren haben.

Wer Michael Rother bisher übersehen hat, sollte unbedingt zugreifen. Aber auch für Kenner gibt es Neues in der Solobox, nämlich die Soundtracks zu zwei Filmen, die Rother in den Jahren 2012 und 2013 aufgenommen hat.