Als hätte sich Island in Folge einer Kontinentaldrift den USA angenähert und irgendwo in der Nähe von Detroit angedockt. So klingt es, wenn man Unnar Gísli Sigurmundsson hört, der international als Júníus Meyvant an- und auftritt. Es ist Motown-Soul der 60er Jahre, was der von der Südküste Islands stammende Sänger und Gitarrist mit rotblonder Mähne und Strubbelbart vom Stapel lässt.

Nach seinem diskreteren Debüt, "Floating Harmonies" (2016), wird auf "Across The Borders" nunmehr alles aufgefahren, was das Genre zu bieten hat: batzweiche Streicher, gestopfte Trompeten, gegen Jericho jubilierende Posaunen, asthmatisch fauchende Orgeln - und ein auf mindestens zehn Spuren heranrollender Harmoniegesang. Solange das Ganze mit funky Rhythmen unterfüttert wird, funktioniert es prächtig, hält den Wackelpudding in Bewegung und Balance - und verschafft beste Laune. Erst gegen Ende des Albums, wenn es elegisch wird, weicht das flaumige Soul-Biskuit auf und lässt an den Seiten viel süße Marmelade heraus. Sei’s drum. Ein Scherzkeks ist der Wikinger obendrein. Bei seinem letzten Wien-Konzert (im Porgy 2017) hat er Strichmännchen auf CDs gezeichnet und als "Chuck Norris" signiert. Jetzt kommt er wieder.