Mariza ist das portugiesische Gegenstück zu Estrella Morente. Wie die spanische Sängerin ist die Achtundzwanzigjährige eigentlich zu jung für die Bandbreite des Ausdrucks, zumindest ist es das, was Fadistas wie Flamenco-Aficionados in den kleinen Stunden vor sich hinmurmeln, ohne den Blick vom Glas zu heben. Und doch sagten Kritiker Mariza bereits nach der ersten CD eine Karriere ähnlich jener der großen Amália Rodrigues voraus.

Die Voraussetzung für die erstaunlich reifen Interpretationen bildet der souveräne Umgang mit den bisweilen komplexen Passagen und Phrasierungen des Fado, der Mariza seit der frühen Kindheit vom familiären Ensemble vertraut ist.

Mit Carlos Maria Trinidade von Madredeus stand ihr für die zweite CD einer der versiertesten Musiker Portugals als Produzent zur Seite, dessen Stilsicherheit soweit geht, dass das aus seiner Feder stammende Titellied eine Art Prototyp des Fado ist, ein melancholisches Spiel mit Gefühlen. Wie im Leben fallen die Würfel dabei meist auf die falsche Seite: Was bleibt, ist das "trockene Brot der Einsamkeit" ("Primavera") und die "saudade", jenes allumfassende Gefühl des Sehnens nach Vergangenem, Versäumtem, Unvorstellbarem, das gerade aufgrund seiner Unmöglichkeit Ziel der Gefühle wird.

Auf einem verwandten Konzept fußt das Werk Frederico Garcia Lorcas, und so ist es nur folgerichtig, dass man bei der Vertonung des Pessoa-Gedichts "Cabaleiro Monge" den Flamenco hinter dem Fado hört.

PS: Da Wien allen Unkenrufen zum Trotz über ein reichhaltiges internationales Kulturangebot verfügt, kann man Mariza am 30. Juni im Rahmen des Jazzfests Wien um 19.30 Uhr im MuseumsQuartier hören.

Mariza: Fado Curvo (EMI).