"Desire" im Vordergrund

Kein Song aus "Planet Waves" schaffte es, bei der "Rolling Thunder Revue" gespielt zu werden. Dagegen war naturgemäß das neueste Werk "Desire" (das im Jänner 1976 veröffentlicht werden sollte) mit sechs Songs die Nummer eins. Und auch von "Blood On The Tracks" wurden nur zwei Songs ("Tangled Up in Blue", "Simple Twist Of Fate") dargebracht. Doch gerade durch die ziemlich die gesamte Karriere abdeckende Songauswahl entstand ein phänomenaler Live-Mitschnitt. Die "Rolling Thunder Revue", die eine zweite und schwächere Auflage 1976 erleben sollte, war einzigartig: Drehort und Supershow mit Künstlern und Zuschauern als meist nicht eingeweihte Statisten und Akteure. Der weiß geschminkte Dylan als Renaldo, einer selbstgeschaffenen Kunstfigur, die sogar Allen Ginsberg nur mit Mühe in einem Interview, das er mit Dylan führte, enträtseln konnte. Was bleibt, ist ein Sound-Zeugnis der Sonderklasse, das in einer "limited"-Version zusätzlich eine DVD mit nur zwei (!) Video-Nummern enthält.

Bob Dylan: Live 1975 - Rolling Thunder Revue - The Bootleg Series Vol. 5 (Columbia/Sony).