Erinnert sich noch jemand an "Tanz, Tanz, Tanz (den Apocalypso"), den ersten größeren Hit der EAV? Keine noch so schlaue verbale Kopfgeburt könnte das neue Foals-Album besser charakterisieren: Untergangsstimmung als rhythmisches Feuerwerk.

"Everything Not Saved Will Be Lost - Part 1" ist der erste Teil eines musikalischen Diptychons, dessen zweiter Teil im Herbst folgen wird. Ein Jahr lang hat das Oxforder Quartett an dem Zyklus gearbeitet. Wie der Titel indiziert und wie es in jüngster Vergangenheit etliche andere bemerkenswerte Platten getan haben - beispielsweise Deerhunters "Why Hasn’t Everything Already Dissapeared?" oder "The Anteroom" von How To Dress Well -, wirft auch "Everything Not Saved Will Be Lost" einen besorgten Blick auf die Welt, wie sie sich gegenwärtig darstellt: Totalitäre gesellschaftliche Tendenzen, Klimawandel und ein Gefühl totaler Überforderung.

Stimmiges Ganzes

Nun sind die Texte, die Sänger Yannis Philippakis nach eigener Aussage alle in Pubs geschrieben hat, nicht unbedingt so konzise aufbereitet, dass man sie für eine Dissertation zum Thema "Wenn wir uns jetzt nicht am Riemen reißen, geht übermorgen die Welt unter" verwenden könnte. Aber Stück für Stück ergibt das mit Pessimismus, Angst, Wut, Sarkasmus, müder Resignation und (vielleicht auch) Sprachlosigkeit bebilderte Puzzle ein stimmiges Ganzes.

Verglichen mit dem Vorgänger, "What Went Down" von 2015, der sich den einen oder anderen Flirt mit Stadion-Rock gestattete, dominiert auf dem neuen Album wieder die Formstrenge, die die Foals einst von den Mitbewerbern abgehoben hat. Nicht umsonst ist ihre Musik ja gerne dem sogenannten Math-Rock, einer rhythmisch vertrackten, von ihrer unerbittlichen Präzision lebenden Spielart des Gitarrenrock, zugerechnet worden.

Das Album beginnt indessen atypisch mit einer Ballade: "I walked into the desert / I walked out of the past", so singt Philippakis über feierlich schwelenden Keyboards, ehe ein dezenter, elektronisch dominierter Rhythmus einsetzt. In scharfem Kontrast dazu führt ein heftiges Funk-Intro in die rhythmisch mitreißende, von burlesken Keyboards interpunktierte erste Single-Auskoppelung, "Exits". Der Text zeichnet eine in mehrerlei Hinsicht düstere Welt, der der Himmel auf den Kopf gefallen ist und in der alle Ausgänge (und -wege) geschlossen wurden. Philippakis bezeichnet ihn im "Q Magazine" als "M.-C.-Escherartige dystopische Fantasie - mit der Einschränkung, dass er der Realität recht nahe ist".

In "White Onions", wo sich ein quirliges, Wolf-Parade-artiges Synthie-Motiv mit einem donnernden Bass (Edwin Congreave in Nachfolge des 2017 ausgestiegenen Walter Gervers) vermählt, schreit der Sänger - eher als Ausdruck ohnmächtigen Furors denn mit genuinem Plan - gegen nicht näher definierte Mächte oder Zwänge an: "I break the cage!"

Neckisches Blubbern

Dagegen mutet "In Degrees", ziemlich unaufgeregt auf einem House-haften Rhythmus erbaut, an wie eine zwischenzeitliche Entspannungsübung. In "Syrups", das ein wenig an die frühen Red Hot Chili Peppers erinnert, steht neuerlich der prägnant um einen relativ langsamen Beat kreisende Bass im Mittelpunkt. In "Cafe d’Athens" belegen perlend-transparente Keyboards, warum die Foals bisweilen mit dem Minimal-Music-Pionier Steve Reich verglichen worden sind. Das Beste kommt aber zum Schluss: "Sunday", eine Klage über menschliche Ignoranz und Väter, "die davonrennen und den Schaden, den sie angerichtet haben, zurücklassen", beginnt eigentlich wie eine normale, wenn auch melodisch fast überirdische Rock-Ballade.

Im finalen Teil aber nimmt der Song Fahrt auf, um sich noch einmal einzubremsen und mit einem fast neckischen Synthie-Blubbern aufzuhören. Das letzte Stück, eine wunderschöne, morbid-beseelte Piano-Ballade, trägt den weltmeisterlichen Titel "I’m Done With The World (And It’s Done With Me)". Dem ist wahrlich nichts mehr hinzuzufügen.