Steigt mit "Limits" in den ESC-Ring: Sängerin Pænda. - © APA/ORF/THOMAS RAMSTORFER
Steigt mit "Limits" in den ESC-Ring: Sängerin Pænda. - © APA/ORF/THOMAS RAMSTORFER

Wien/TelAviv. Reduziert, radikal, electro. Mit diesen drei Eigenschaften will der ORF beim heurigen Eurovision Song Contest im Mai in Tel Aviv punkten. Am Freitag wurde am Küniglberg das Lied vorgestellt. Der Song mit dem Titel "Limits" wurde von der heimischen Vertreterin Pænda (31) selbst geschrieben, arrangiert und produziert. Die Sängerin hatte der ORF diesmal im Alleingang ausgesucht - ohne ein Voting durch das Publikum. Damit lag der ORF zuletzt nicht so schlecht, Conchita Wurst war auch eine einsame Entscheidung des ORF gewesen - mit bekanntem Ergebnis. Das Lied folge "nicht den üblichen Song-Contest-Regeln", lobte Delegationsleiter Stefan Zechner. Soweit die ORF-Darstellung.

Das meiste Gefühl

Man kennt das: Bevor auf einer Party irgendwann gar nichts mehr geht, wird DJ YouTube auf dem Laptop im Wohnzimmer mit hoher Wahrscheinlichkeit entweder zu Haddaway greifen ("What is love? Baby don’t hurt me!") oder/und das hörbar philosophisch gestimmte niederländische Eurodance-Duo 2 Unlimited bemühen, um die Meute zum Auszucken zu bringen: "No no limits, we’ll reach for the sky / No valley to deep, no mountain too high."

Gabriela Horn aus Deutschlandsberg, die sich aus Distinktionsgründen den Künstlernamen Pænda ausgesucht hat - "Panda" wäre zwecks Google ein schlechter Witz, das Netz versteht darunter nur drollige Zoobewohner, die sich tonnenweise Bambus reinstellen und keinen Sex haben wollen -, liefert sozusagen das Gegenstück.

Ihr Beitrag stellt Grenzen bereits im Titel als Faktum aus. Diese sind (neben Mauern und Zäunen) ein Schlagwort der Gegenwart. Weil man es von österreichischer Seite her aber gerade eher nicht politisch anlegen mag - sonst hätte man ja gleich Hyäne Fischer mit "Im Rausch der Zeit" im kessen Obersalzberglook nach Tel Aviv schicken können -, sind dann aber eh keine "Borders", sondern "Limits" gemeint. Die haben im Regelfall eher mit Belastung und Leistung zu tun - und werden heute meistens erst dann erkannt, wenn die Diagnose "Burnout" auf der Krankschreibung steht.

Das Song-Contest-Motto des Jahres 2019 heißt "Dare To Dream!". Wie "Limits" damit inhaltlich vereinbar sein soll, ist nicht bekannt. Immerhin wusste bereits Reinhard Mey (schon wieder so ein Philosoph), dass Träume grenzenlos sind. Musikalisch hingegen dürfte der als "atmosphärisch aufgeladene Electronic-Pop Ballade" wenig verheißungsvoll angekündigte Beitrag die Erwartungen und Anforderungen erfüllen - wenn man davon absieht, dass das vermutete Anwachsen zur Powerballade mit Tusch und Konfettiregen aus der Schneekanone am Ende ausbleiben wird.