In seinem erst vor wenigen Wochen mit einem Grammy für die "Best Rap Performance" ausgezeichneten Hit "Bubblin" strömen die Dollarscheine millionenfach aus der "Cash machine". Frauen beim Bootybouncen und Twerken mit ohne Gewand sind selbstverständlich auch mit dabei. Es gibt diamantenbestückte Zähne und sehr viele Goldketten, Zigarren und, wenn man sich schon etwas überziehen muss, Kimonos aus Seide und Mäntel aus toten Tieren, die wahrscheinlich die letzten ihrer Art gewesen sein werden.

Der Geldspeicher von Dagobert Duck wird zum darin Baden als Swimmingpool angelegt. Sollte ein neureicher Russe oder irgendein dahergelaufener Ölscheich aus Abu Dhabi das alles sehen: Das schafft ihr nie, ihr armen Schlucker! Anderson .Paak spannt euch die Weiber aus, kauft sich eure Leben und spült einen Jahresvorrat Kaviar mit einer Kiste Moët schon zum Frühstück hinunter.

Plantagenarbeit

Hinter dem Musikvideo versteckt sich dann aber eh die "Kapitalismuskritik" eines Hip-Hop-Millionärs, der auf seinem aktuellen Album in unterschiedlichen Ausformungen zwischen scheinbar ernst und gebrochen-halbironisch auch darüber rappt, dass er es von der Straße weggeschafft hat und jetzt endlich das ihm zustehende Leben in Saus und Braus führen kann. Man muss sich Anderson .Paak als einen Mann vorstellen, der höchstens in Bezug auf seinen Namen einen Punkt macht.

Biografisch sind eine problematische Kindheit, ein Vorleben als einfacher Arbeiter im Marihuanaberg des Herren (Anderson .Paak hat, wenn man den Eigenangaben Glauben schenkt, in Kalifornien auf einer Plantage geschuftet) sowie eine Phase der Obdachlosigkeit überliefert. Spätestens seit sechs prominent inszenierten Featuring-Auftritten auf Dr. Dres Album "Compton" von 2015 und dem strategisch klug wenig später nachgeschobenen Durchbruchswerk "Malibu" gilt der heute 33-jährige Sänger, Rapper, Schlagzeuger und Produzent als gemachter Mann in der Branche.

Obwohl veröffentlichungstechnisch (und parallel zu einem zweiten Standbein im Duo als NxWorries) gerade erst eine "Beach-Trilogie" abgeschlossen wurde, die eigentlich Entspannung, Happy Times und die sprichwörtlich ruhige Kugel nahelegen würde - vor "Malibu" kam im Jahr 2014 "Venice" auf den Markt, im November 2018 erschien der Nachfolger "Oxnard" -, ist die Karriere des Sohnes einer afroamerikanischen Mutter mit südkoreanischen Wurzeln durchaus mit Arbeit verbunden. Im April und somit nur fünf Monate nach dem Letztschlag erscheint mit "Ventura" auch schon der nächste Streich. Es ist das zweite Album am Stück, das Anderson .Paak mit seinem Mentor Dr. Dre eingespielt hat, und das den Rapanteil folgerichtig hochhalten dürfte.

Getönte Scheiben

Musikalisch setzt der Kalifornier vor allem auf Hybride. Es darf im (hier allerdings weltlichen) Preacher-Modus vorgetragener Vintage-Soul nicht nur neben Funkpop mit Hüftgroove stehen. Auch wird man Blaxploitation-R&B in Kombination mit oder als Vorbereiter für atemlosen Rap und zeitgenössischen Hip-Hop hören, der bei Stücken wie "Who R U?" außerdem beatzentriert und minimalistisch ausfällt und die Zielgruppe zum kollektiven Kopfnicken lädt.

Inhaltlich geht es auf "Oxnard" - neben der standesgemäßen Prahlerei bezüglich "Bitches" und $$$ - um die Notwendigkeit getönter Fensterscheiben für Rapper, die etwa zu einem Arbeitstermin müssen, aber sehr gerne Liebe machen, oder darum, ein posthumes "Cheers" an alle Freunde zu senden, die den Hip-Hop-Lifestyle nicht überlebt haben. Es gibt aber auch eine gemeinsam mit Snoop Dogg zelebrierte G-Funk-Hommage und bei "6 Summers" zweifelhafte Kritik am US-Präsidenten: "Trump’s got a love child / And I hope that bitch is buckwild / I hope she sip mezcal / I hope she kiss señoritas and black gals."

Das ungeschriebene Gesetz, dass Hip-Hop zwischen Straßen- und Oligarchen-Image auch plumpen Sexismus zu inkludieren hat, wird von Anderson .Paak im Übrigen nicht gebrochen. Der Mann versucht bei Stücken wie "Headlow" und "Sweet Chick" nur, entsprechende Inhalte im #MeToo-Zeitalter als gespielten "Witz" zu relativieren. Das macht die Sache allerdings auch nicht besser.

Live im Wiener Gasometer am 27. März.