Album-Cover
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In einem Instagram-Post zur Veröffentlichung ihrer ersten Solosingle "Callous" komplimentiert Sasami Ashworth "Everyone I fucked and who fucked me last year" als Inspiration für ihr erstes Album. Wir haben es also bei "Sasami", dem dieser Tage veröffentlichten Debütalbum der aus L.A. stammenden Multinstrumentalistin, Sängerin, Songwriterin und ehemaligen Keyboarderin der Frauen-Punk-Band Cherry Glazerr mit einem extrem bekennerhaften Werk zu tun. Thematisch spielt das Ganze natürlich auf der Beziehungsebene, die sich hier - noch eher dezent ausgedrückt - als Kampfzone präsentiert: Vorwürfe, Bitterkeit, Enttäuschung, Eifersucht, Sarkasmus, Gefühle der Missachtung und Demütigung gehören zu den Nettigkeiten, die aufs Tapet gebracht werden.

Das ist potenziell problematisch, sollte sich Ashworth auf lange Sicht als Angehörige jenes Künstlertypus erweisen, der nichts anderes als "ich" sagen kann. Lediglich das kryptische "At Hollywood" riskiert einen Blick über die Persönlichkeitszone hinaus: "There’s a street where the houses are burnt / At Hollywood, at Hollywood / Everyone has something to learn / At Hollywood, at Hollywood". Die hier nur angedeutete Fähigkeit, mit wenigen Worten viel auszudrücken, ist indes bemerkenswert. Am schönsten kommt sie in "Turned Out I Was Everyone" zur Geltung: "Thought I was the only one / turned out I was everyone" - das ist übrigens, interpunktiert durch die Zeile "To be so alone at night", der gesamte Text.

Während die Inhalte also eine strikt individualistische, mit Ashworths auffällig zurückhaltendem Vortrag eigentümlich kontrastierende Position beziehen, hat die Musik eher den Appeal eines gut aufgelegten Jammens mit Freunden, Bekannten und wer immer gerade des Weges kommt. Das kann Devendra Banhart sein, der in "Free" mitsingt. Oder Dustin Payseur von den Beach Fossils, mit dem Sasami im Opener "I Was A Window" duettiert. Darunter, darüber und rundherum dröhnen verzerrte Shoegaze-Gitarren, und es ist bestimmt weder Zufall noch dem Gelingen abträglich, wenn Songs wie "Not The Time" und ein wenig auch "Callous" an My Blood Valentine erinnern.