Das im steirischen Wies beheimatete Plattenlabel Pumpkin Records steht bei aller Regionalität für Qualität und Vielfalt. Die zwei aktuellen Veröffentlichungen aus dem Hause belegen das auf beispielhafte Art und Weise. Während die Grazer Band Bender auf ihrem zweiten Album mit Verve und Charme Retro-Synthesizer und Autotune-Effekte kurzschließt, tritt der aus der Südsteiermark stammende Bluesmusiker "Sir" Oliver Mally in die großen Fußstapfen von Bob Dylan und versucht sich an sieben Songs des Literaturnobelpreisträgers, der im April wieder in Österreich gastiert.

Das Trio Bender schämt sich nicht dafür, dass es in der Tradition von großen Vorbildern steht - New Order, Depeche Mode, Daft Punk oder etwa auch Phoenix seien hier als Referenzgrößen genannt -, spielt der typische Sound der Band doch stark mit Synthie-Klängen und Vintage-Feeling und weckt süße Erinnerungen an die (Independent-)Musik der 1980er und 90er Jahre.

Der Soundtüftler Chris Markart verknüpft auf "Remedy" aktuelle Klänge mit bewährten Songstrickmustern und geizt dabei nicht mit Pop-Appeal. Durchwegs breitflächige Synthieschleifen bilden zusammen mit dem akzentuierten Schlagzeug - Cristoph Röber legt sich da mächtig ins Zeug - das Klangfundament für die faszinierende Stimme von Sängerin Rebecca Hofer. Die elf Songs des Albums verknüpfen den Hedonismus der Clubs mit der tiefen Emotionalität und melancholischen Anmut von purem Pop. Der Stilmix aus Synthie- und Wave-Pop sowie Indietronica wirft mit "Metro", "Hero", "Killer", "Day One (Promised Land)" und dem Titelstück gleich fünf Songs mit Ohrwurm-Qualität ab.

"Sir" Oliver Mally wiederum legt seine Annäherung an Bob Dylan mit dem Titel "Mally Plays Dylan" bewusst traditionell an. Sich selbst auf der Gitarre begleitend interpretiert der Musiker sieben ausgewählte Dylan-Songs - ein Cover von "Blood In My Eyes" der Mississippi Sheiks vervollständigt das Album -, und es gelingen ihm dabei "nackte", auf das Wesentliche reduzierte Versionen. Mit einer Mischung aus aufrichtiger Achtung und souveräner Nonchalance bleiben Mallys Interpretationen nahe an den Originalen, ohne beliebig zu klingen. Wir hören eine respektable Hommage. Anspieltipps: "One Too Many Mornings" oder "I Want You".