Irgendwie klingt es, wie wenn jemand bei der Tür hereinstolpert: "I’m back on my correction", grummelt Kurt Wagner, per Vocoder vervielfacht, zum Auftakt des neuen Lambchop-Albums "This (Is What I Wanted to Tell You)".

Hinter der dramatischen Phrase verbirgt sich übrigens, wie Wagner der "Wiener Zeitung" erzählt, nicht mehr als ein Verweis auf die Möglichkeiten der elektronischen Stimmkorrektur - und das indiziert auch, dass zumindest in technologischer Hinsicht der neue Longplayer den Faden des Vorgängers "Flotus" von 2016 aufnimmt.

Konzentrierter

Mit "Flotus" hatte Kurt Wagner dem stets wie aus der Zeit gefallen wirkenden Alternative-Country-Ensemble erstmals ein modernistisches Sounddesign verpasst, indem er Produktionstechniken des kontemporären Hip-Hop adaptierte. Der Musik verlieh das eine fragmentierte Anmutung und kreierte ein Neben- und Durcheinander aller denkbaren und undenkbaren Stilmittel zwischen elektronischem Gefrickel, Drumcomputer und durchaus vertrauter Piano-Impressionistik.

Alles das ist auch auf "This (Is What I Wanted To Tell You)" zu hören. Und doch klingt diese Platte deutlich anders als "Flotus": in sich geschlossener, konzentrierter, organischer. Wagner, der hier stimmlich "aufgeräumter" und sogar jünger rüberkommt als auf den ungefähr letzten sieben LPs seiner Band, führt das auf den Zugang zum Songschreiben zurück, das er diesmal zu 50 Prozent mit Matthew McCaughan teilt.

Mit McCaughan, der u.a. für Bon Iver getrommelt und in jüngster Zeit analoge Synthesizer zu seinen liebsten Spielzeugen erkoren hat, tauschte er zunächst Songskizzen und Soundscapes aus; gemeinsam finalisierten sie die Arbeit in Nashville mithilfe der Lambchop-Stammkräfte und ausgesuchter Gäste wie Charlie McCoy, der mit seiner Mundharmonika wunderschöne melancholische Stimmungsbilder kreiert.

Gelegentlich - besonders im Titelsong - zieht ein Hauch von Jazz durch die musikalischen Texturen. "Die Songs haben diese Möglichkeit offengelassen", sagt Wagner. "Das war reizvoll, weil ich diese Musik auch immer gemocht habe. Ich war nur nie ganz sicher, wie weit ich darin gehen konnte, sie auch selbst zu kreieren. Im Zuge der Zusammenarbeit mit McCaughan sind diese Ideen in die Arbeit eingeflossen."

Der veränderte Produktionsprozess wirkte sich auch auf die Texte aus. Wenngleich bei Wagner grundsätzlich nicht ganz einfach zu verstehen, vermitteln sie (nach viel Stammel- und Rudimentärsprache in "Flotus") zumindest wieder konkretere Eindrücke des Alltags, nicht besonders erfreulicher Zeitungsschlagzeilen oder der drückenden Schwüle im sommerlichen Nashville.

Politische Konnotation

"Bei ,Flotus‘ habe ich das Verhältnis der Worte mit den elektronischen Sounds erkundet. Auf dieser Platte aber erlaubt der Sound definitiv einen größeren Fokus auf den verbalen Content, und ich habe versucht, dem zu entsprechen", erklärt Wagner. Mit "Flowers" als Ausnahme, richten sich alle Songtitel an ein "You": "The New Isn’t So You Anymore", "Everything For You" usw. "Die Idee ist, die Platte wie eine Konversation zwischen mir und dem individuellen Hörer anzulegen - im Unterschied zu einer Konversation mit einer größeren Anzahl an Leuten."

Gelegentlich mischen sich in die Inhalte Phrasen, denen klar eine politische Konnotation zu entnehmen ist: "Be it so un-presidential" etwa, oder "The news was fake, the drugs were real". Bei Wagner sind solche Zeilen insofern speziell "beladen", als seine Frau Mary Mancini Vorsitzende der Demokratischen Partei in Tennessee ist und er naturgemäß Trumps chaotische Regentschaft besonders besorgt verfolgt: "Das Land hat sich radikal verändert in den zwei Jahren seit der Wahl. Ursprünglich dachten wir, das werde nicht lange dauern, weil einfach die Idee so absurd schien, der Mann könne als politischer Leader funktionieren. Da es nun aber schon so lange andauert, sind wir, glaube ich, ein bisschen erschöpft, und eine Menge Leute verliert den Glauben und die Hoffnung, dass noch Potenzial für eine Änderung da ist."