Eigenwillige Ikone: Scott Walker. - © Brownlee/Eyevine/picturedesk.com
Eigenwillige Ikone: Scott Walker. - © Brownlee/Eyevine/picturedesk.com

Das Leben eines Ex-Popstars ist trostlos, aber nicht brotlos: Wer vom Zeitgeist abgehängt wurde, hat zumindest noch seine Hits von gestern im Ärmel - und ein Schrumpf-Publikum, dass die Hadern weiter hören will. Was wurde eigentlich aus . . ? Tingelt durch die Dorfdiskos dieser Welt.

Auch Scott Walker, 1949 im US-Bundesstaat Ohio geboren, stürzte tief - nach einem Welterfolg. 1964 ersang sich der dunkle Bariton erste Lorbeeren: Seine Band - die Walker Brothers - fasste in der englischen Hitparade Fuß. Die Gruppe, die zwar nicht aus Brüdern, aber trendsicheren Musikern bestand, betörte mit nächtlichen Hymnen wie "The Sun Ain’t Gonna Shine (Anymore)" und Edelheulern der Sorte "Make It Easy On Yourself". 1967 nahm dann aber der Hippie-Zug Fahrt auf und ließ den glatten Sound dieser Schmachtfetzen hinter sich. Die "Brüder" lösten sich auf; eine Wiederbelebung Mitte der 70er Jahre blieb ohne nachhaltigen Effekt.

Scott Walker verschwand mehr und mehr vom Radar. Wie er das tat, war aber bemerkenswert: Rund 20 Solo-Alben sollten folgen. Sie schlossen zwar immer weniger an die einstigen Erfolge an, erhoben den Schmalzbarden aber in den Rang eines Schutzheiligen für sperrigeren Pop - mit Verehrern wie Thom York (Radiohead) und Jarvis Cocker (Pulp).

"Orson Welles der Musik"

Bediente Walker auf seinen ersten Eigen-LPs noch mit wachsendem Eigensinn die Popkonvention, sprengte er diese mit "Climate of Hunter" (1983): Umwabert von Syntie-Nebeln, schlingert eine fragile Baritonstimme auf krausen Melodiepfaden. Fast schon ein Fall für ein Avantgarde-Festival das Album "Tilt" (1995): Bizarre Klanglandschaften bilden gemeinsam mit Ratter-Elektronik die Basis für befremdliche Textspenden. Er sei der "Orson Welles der Musikindustrie", sagte Walker einmal: Jeder wolle mit ihm essen gehen, doch keiner seine Kunst produzieren. So schlimm war es freilich nicht: Von Kritikern über den grünen Klee gelobt, gewannen ihn Kollegen wie Cocker, Sia oder Sunn O))) als Arbeitspartner. Nun ist Walker mit 76 Jahren gestorben.